virtuelle Freunde

13. Dezember 2008 | Von | Kategorie: Ariane de Saint Phallus

Heute ist ein virtueller Freund von mir gestorben, den ich nur aus dem Netz kenne, über MySpace. Seine Schwester hat die Nachricht auf seinem Blog gepostet. Ich hab sogar geweint. Er ist nur 44 Jahre alt geworden, ein Nerd aus Tokio. Er hat fast rund um die Uhr gearbeitet, an seinem Computer. Leider war sein Englisch nicht so gut und so konnte er in seinen Nachrichten, die sehr häufig kamen, meist nur die Frage stellen: How are you? Manchmal gingen mir seine ständigen Nachrichten auf den Wecker (bin leider etwas paranoid, was Stalking generell betrifft *g*). Wenn ich sein aktuelles Stimmungsbild gewahr wurde – und der entsprechende Smiley stand auf traurig -, dann wußte ich, daß er sehr einsam war und ich schrieb ihm eine kurze Trost-Nachricht. Jetzt ist er tot und ich bin traurig. Virtual Friends feel often much more nearer than my neighbourhood.

Yuuki I.M.

6 Kommentare auf "virtuelle Freunde"

  1. Asfaloth sagt:

    Virtueller Freund ….. wäre das nicht ein Computergeneriertes Kommunikationsprofil, dass einen Dialog simuliert…?

    Ist es aber nicht so, dass wir immer Menschen begegnen und der einzige Unterschied die Art des Kontaktes und der Kommunikation sind …?

    Insofern ist Trauer berechtigt und ehrt Dich, den dieser Individuelle Mensch wird nicht mehr wiederkommen. Programmme sind kopierbar, Menschen nicht.

    Gruss vom Asfa

  2. Ariane sagt:

    Ach Asfa, jetzt lege das Virtuelle nicht so auf die Waagschale – ich nenne sie weiterhin virtuell, weil die Begegnung nur über Bites and Bits stattfindet, also eine simulierte Nähe. Meine Entfremdung ist noch nicht so weit fortgeschritten als daß ich nicht wüßte, daß ich es mit echten Menschen zu tun hätte.
    Ich fühle mich jedenfalls einigen virtuellen Freunden, die ähnliche Interessen und Überzeugungen teilen, oftmals näher, als den meisten Bekannten von mir in Berlin. Fast alle meiner engsten Freunde weilen entweder nicht mehr unter den Lebenden oder leben im Ausland, viele sind in den letzten Jahren aus Berlin weggezogen (was ich sehr gut nachvollziehen kann) und zwar gaaaaaaaaaaaanz weit weg, China, U.S. etc.
    Da ist es schön, wenn manches Date in Berlin für mich ein menschliches Highlight darstellt. Manches Deckelchen entpuppt sich als eine zwar zeitlich begrenzte, aber doch sehr intensive Begegnung, in jeder Hinsicht. Zum Glück habe ich noch zwei reale Freunde in Berlin, die mindestens genauso verrückt sind wie ich, allerdings im besten Sinne, nämlich unkonventionell.

  3. xtc456 sagt:

    Ist ein „virtueller Freund“ oftmals nicht sehr viel realer, als ein realer Freund?

    Ich ertappe mich, nicht erst seit einem Tag im November, immer wieder dabei, gegenüber „virtuellen Freunden/Menschen“ offener zu sein … vielleicht sogar ehrlicher.
    Nicht dass ich mein reales Umfeld belüge, aber man ist im realen Leben – ob man es will oder nicht – gewissen Zwängen ausgesetzt, die im virtuellen Raum so nicht existieren.

    Ich verstehe Dich daher sehr gut, liebe Ariane, und kann Deinen Verlust nachvollziehen.

    Lass Dich drücken, Ariane!

  4. Radelmaus sagt:

    „Virtual Friends feel often much more nearer than my neighbourhood.“

    Ja, das ist wahr, Ariane! – Ein schöner Beitrag von Dir – ebenso Asfas Kommentar dazu.

    Gruß Radelmaus

  5. Ariane sagt:

    Danke liebe Radelmaus!

  6. Lichtblick sagt:

    Kann mich dem Gesagten nur anschließen, da ich auch schon einige virtuelle Freundschaften erleben durfte…

    Sie sind manchmal ehrlicher als die eine oder andere angebliche in der Realität.

    Liebe Grüße,
    Anna

Schreibe einen Kommentar