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Vollständige Version anzeigen : Die Wahrheit über Deep Throat


suizido
06.09.09, 18:15
Auspacken, Justieren, Tieferlegen

In der Lebensgeschichte, der wohl berühmtesten Pornodarstellerin der Welt Linda Lovelace, erzählt sie davon, wie sie einem Mann jahrzehntelang sexuell hörig war und von ihm schließlich zum Sex vor der Kamera gezwungen wurde. So grausam die Schilderungen von ihrer Vergewaltigung während des Deep-Throat-Drehs sind, so klischeehaft und fast unglaubwürdig wirken sie streckenweise. Die Beschuldigten nehmen konträre Positionen ein, was nicht anders zu erwarten war, und präzisieren: Lindas Auftreten im Film sei sehr locker gewesen und Zeichen von Gewalteinwirkung seien an ihrem Körper nicht erkennbar gewesen. Es steht also Aussage gegen Aussage. Nach Lesen ihrer Buches fand ich erstaunlicher Weise die Version der Pornodarsteller eher weniger plausibel.

Als sicher gilt, dass der Deep-Throat-Film in nur zehn Drehtagen entstand. Es ist eine billige, stimulationsfreie, bestenfalls amüsante Klamotte, ohne sichtbare schauspielerisches Talent gedreht worden, die 25.000,00 Dollar Produktionskosten verursachte und 600.000.000,00 Dollar einspielte. Es ist der weltweit finanziell erfolgreichste Film aller Zeiten, was mit größtenteils völlig dilettantischen, unprofessionell gedrehten Szenen erreicht wurde. Alleine die Idee des Films, also dass sie das erigierte Glied des Mannes bis zum Zäpfchen aufzunehmen gezwungen sei (der natürliche Wügereiz muss überwunden werden), weil angeblich der Kitzler von Frau Lovelace anatomisch in den Rachen verrutschte und sie deshalb nur so noch erregt werden könne, hat den charmanten Witz der Siebziger Jahre.

Obschon es daran liegen könnte, dass sich die schauspielerischen Begabungen mit dem schriftstellerischen Talenten der Pornodarstellerin auf einem Niveau bewegen, hast es mich erschreckt, wie wenig mich die Lebensbeichte eines furchtbaren, von grausamen Gewalttätigkeiten geprägtem Dasein berührte. Wirklich aufschlussreich hingegen ist wie Pornofilmerei mal anfing, wie wenig es mit den heutigen Massen-Studioproduktionen in Kalifornien gemein hat. Wie die Entwicklung der heimischen Sehgewohnheiten durch die Einführung des Videorekorders, den Markt hat enorm expansieren lassen. Und wie eine Frau, die sich als hilfloses Opfer darstellt, das immer nur ausgenutzt wurde, in den Siebziger Jahren ein heimlicher Star war, der daraus medienmäßig für sich selbst kein Kapital zu schlagen vermochte. Und wie im Vergleich dazu heutige Pornosternchen (von Kelly Trump bis Dolly Buster) wie selbstverständlich in Talkshows auftreten, finanziell besser gestellt sowie gesellschaft zumindest partiell akzeptiert sind.