Vollständige Version anzeigen : Prostitution und psychische Gesundheit
Prostituierte sind psychisch gefährdet
Dass Prostituierte Gesundheitsgefahren wie Aids oder Syphilis ausgesetzt sind, dürfte bekannt sein. Kaum etwas wusste man indes über die psychischen Risiken der Frauen. Eine Forschergruppe der Universität Zürich um den Psychiater Wulf Rössler hat nun untersucht, wie es um die seelische Gesundheit von Prostituierten steht. In einer weltweit einmaligen Studie gelang es ihnen, rund 200 Prostituierte in Zürich zu befragen. Das entspricht etwa fünf Prozent der registrierten Prostituierten in Zürich.
„Um ein möglichst repräsentatives Bild der Situation von Prostituierten zu erhalten, kontaktierten wir die Frauen unterschiedlicher Nationalitäten in Bars, Bordellen, Studios, Begleitdiensten und auf der Straße“, erklärt Rössler. Die Frauen waren zwischen 18 und 63 Jahre alt. Die Mehrheit war in der Schweiz geboren, und zwei Drittel besaß einen Schweizer Pass.
Die kürzlich in der Wissenschaftszeitschrift Acta Psychiatrica Scandinavica veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass zirka die Hälfte der Befragten während des vorangegangenen Jahres psychische Störungen aufwies. „30 Prozent erfüllten die Kriterien für eine Depression, 34 Prozent die Kriterien für eine Angststörung“, so Rössler. In der Gesamtbevölkerung hingegen zeigen innerhalb eines Jahres nur zwölf Prozent der Frauen seelische Leiden, davon rund sechs Prozent Depressionen und neun Prozent Angststörungen. Psychische Störungen treten demnach bei Prostituierten drei- bis fünfmal so häufig auf.
Als besondere Risikofaktoren erwiesen sich Gewalterfahrungen im und außerhalb des Milieus sowie die speziellen Arbeitsbedingungen und die Nationalität. Frauen, die ihre Dienste auf der Straße anbieten, sind besonders gefährdet; ebenso Frauen aus Asien oder Südamerika, die in Bars oder Studios arbeiten. Neun von zehn dieser Frauen hatten ernsthafte psychische Probleme.
„Es hat sich aber auch gezeigt, dass soziale Unterstützung das Risiko für psychische Störungen reduziert“, sagt Rössler. Der Direktor der berühmten Züricher Klinik Burghölzli betont, dass vor allem die Rahmenbedingungen der Sexarbeiterinnen verbessert werden müssen: „Sichere Arbeitsbedingungen sind ebenso wichtig wie soziale Hilfen für diese Frauen, die allein im Raum Zürich jährlich bis zu 2,8 Millionen Kontakte mit Freiern haben.“
5. Februar 2010
Quelle: idw; Bild: Corbis
http://www.psychologie-heute.de/news_aktuell/index.html
Haben Escorts gute Arbeitsbedingungen?
Wie viele Männer leben in Zürich? 360.000 Einwohner = 180.000 männliche Einwohner = 90.000 Männer -> die Hälfte sind Freier -> ein Besuch pro Woche. Richtig gerechnet?
Als Zürcher würde mich jetzt die Unterscheidung "Männliche Einwohner/Männer" doch interessieren. Vor allem: was sind die 90'000 männlichen Einwohner, die keine Männer sind?
Tyler Durden
09.02.10, 23:23
[...]„Sichere Arbeitsbedingungen sind ebenso wichtig wie soziale Hilfen für diese Frauen, die allein im Raum Zürich jährlich bis zu 2,8 Millionen Kontakte mit Freiern haben.“
[...]
Haben Escorts gute Arbeitsbedingungen?
Wie viele Männer leben in Zürich? 360.000 Einwohner = 180.000 männliche Einwohner = 90.000 Männer -> die Hälfte sind Freier -> ein Besuch pro Woche. Richtig gerechnet?
Vielleicht richtig gerechnet, aber die Annahme dürfte falsch sein...
Der "Raum Zürich" dürfte deutlich mehr Einwohner haben. Laut Schweizerischem Bundesamt für Statistik leben dort über eine Million Menschen. Und das berücksichtigt noch nicht die geschäftlichen und privaten Besucher dieser Stadt.
Als Zürcher würde mich jetzt die Unterscheidung "Männliche Einwohner/Männer" doch interessieren. Vor allem: was sind die 90'000 männlichen Einwohner, die keine Männer sind?
Der Begriff "Männer" ist unglücklich gewählt: Gemeint ist eher potentielle Freier... also Männer im Zielgruppenalter. Männliche Einwohner minus Senioren und Kinder... wobei die Verteilung wohl kaum Fifty-Fifty sein dürfte...
senioren gehen auch zu prostituierten...
lg lucy
Also ich konnte meinen Dachschaden durch Mind & Bodywork therapieren. Empfehle ich jeden.:clown:
ps: man kann ungewünschte Grenzüberschreitungen quasi als regeneratives System verwenden. Indem man die Festplatte mit guten Erfahrungen überschreibt. Gewisse Sturmschäden sind ja meist schon in Kindheit und Jugend aufgetreten und nicht automatisch mit unangenehmen Erfahrungen im Kundenkontakt verbunden, bei Mind & Bodyworkern. Wen das interessiert, lade ich herzlich in meine Praxis ein. Ernsthaft.
Ich halte von diesen Studien sehr wenig. Auch ich habe mal einen Fragebogen erhalten, welchen ich hier gespostet habe:
Mir wurde vor einigen Wochen ein Fragebogen zugeschickt von einer Universität in Italien, die sich mit Escort auseinandersetzen. Kurzer Auszug aus dem Email: "We are doing a research about high level prostitution, in collaboration with the social psychology department of the Parma University coordinated by prof. Tiziana Mancini. We are looking for escorts and girls who can recognize themselves in a high socio-economic status...."
Ich habe mir diesen Fragebogen angesehen und habe gemerkt, dass auch diese eher in eine Richtung gehen soll, nämlich in die negative.
Da gab es zB Fragen wie:
Thinking about your job, recently did you feel:
Exhausted
Empty
Burned Out
Frustrated
Die "beste" Antwort die man ankreuzen konnte, war "rarely", aber nicht "never". Man bedenke auch, dass hier nach "recently", also "kürzlich", gefragt wurde! Fast jeder Mensch fühlt sich wohl irgendwann mal in seinem Leben erschöpft, leer, ausgebrannt oder frustriert. Bei Escorts nimmt man allerdings an, dass JEDES dieser Gefühle KÜRZLICH dagewesen sein muss, also gibt man als Antwortmöglichkeit kein "nie".
Do you feel to treat your clients impersonally?
Auch hier war die "beste" Antwortmöglichkeit "rarely", aber nicht "never". Man geht also davon aus, dass ein Escort ihre Kunden zumindest "selten" unpersönlich behandelt.
Do you feel to have become more indifferent towards people since you do this work?
Auch hier konnte man kein "never" ankreuzen, man geht davon aus, dass Escorts zumindest "selten" gleichgültiger gegenüber anderen Menschen seit ihrem Job geworden sind.
Do you feel you don't really care about what happens to your clients?
Auch hier war fing es bei "rarely" an.
What health problems do you have or have you had in the last 12 months?
Fatigue/Exhaustion
Genital pain
Bacterical infections
Sleeplessness
Headaches
Vaginal infections
Stomach aches
Urinary infections
Eating disorders
Und auch hier war es nicht möglich ein "never" anzukreuzen, sondern es ging wieder erst los ab "rarely". Escorts haben also zumindest "selten" ALL diese Krankheiten in den letzten 12 Monaten gehabt!
So viel zum Thema "objektive Fragebögen"......
Jana, ich meine mich zu erinnern, daß du das mal an anderer Stelle gepostet hast. Interessant an diesen Fragen ist die interessierte Sichtweise, die dermassen deterministisch ist, durch die eingrenzenden Antwortmöglichkeiten, und das "Opfer" quasi "machen".
Im übrigen ist es so, dass jede zweite Frau im Laufe ihres Lebens Gewalterfahrung macht, soweit mir statistisch bekannt ist. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich höher. Insofern hält sich die Wahrscheinlichkeit als Callgirl (=Frau) Opfer von gewalttätigen Übergriffen zu werden, wahrscheinlich proportional zum gesamtgesellschaftlichen Durchschnitt. Im übrigen sollte man die Herren da nicht ausnehmen, ob als Kunde in einem Dominastudio oder im Kreis der Familie. Gewalttätige Partnerinnen sind sehr weit verbreitet und die Dunkelziffer offenbar recht hoch. Darüber spricht keiner.
Interessant an diesen Fragen ist die interessierte Sichtweise, die dermassen deterministisch sind und das "Opfer" quasi "machen".
Das ist mir an diesem Fragebogen auch sofort aufgefallen. Man hatte ein Vorurteil, welches man bestätigen wollte.
---------- Beiträge zusammengefügt um 18:24 Uhr ---------- Vorheriger Beitrag war um 18:12 Uhr ----------
Die kürzlich in der Wissenschaftszeitschrift Acta Psychiatrica Scandinavica veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass zirka die Hälfte der Befragten während des vorangegangenen Jahres psychische Störungen aufwies. „30 Prozent erfüllten die Kriterien für eine Depression, 34 Prozent die Kriterien für eine Angststörung“, so Rössler. In der Gesamtbevölkerung hingegen zeigen innerhalb eines Jahres nur zwölf Prozent der Frauen seelische Leiden, davon rund sechs Prozent Depressionen und neun Prozent Angststörungen. Psychische Störungen treten demnach bei Prostituierten drei- bis fünfmal so häufig auf.
Mich würde ja auch interessieren, wie Depressionen und Angststörungen diagnostiziert wurden. Um bei jemandem diese Krankheiten diagnostizieren zu können, bedarf es schon mehr als nur einer "Befragung".
Oder fand das etwa auch so nach dem Motto statt: "Fühlen Sie sich manchmal depressiv? Haben Sie manchmal Angst"?
Selbst wenn Kriterien abgefragt werden, die eine Diagnose zulassen: der Gesamtanteil an der deutschen Bevölkerung, die psychisch krank ist, soll bei einem Drittel liegen. Hat der Chef Redakteur Hans-Ulrich Jörges kürzlich im Presseclub, ARD auch erwähnt. Ein weiteres Drittel kauft die in den Bestsellerlisten hochgelobten Glücksversprechen.
Ernsthaft, wenn dem so ist, und der prozentuale Anteil an Sexworkerinnen aller Couleur wird vom Familienministerium auf 400.000 geschätzt, eine grobe Schätzung, die bislang unbewiesen ist, müßte doch die statistische Grösse bei den Mitarbeiterinnen des Adult Entertainments sogar niedriger angesetzt werden im Vergleich zur Gesamtbevölkerung. Aber man kann die Herren und Damen im übrigen schlecht aus dem Statistikkuchen herausschneiden, da sie ja eh in der Statistik der Gesamtbevölkerung als Bürger schon mitgezählt sind. Wie will man Bürger und Bürgerinnen, die Paysex anbieten oder nicht, alternativ sog. Hobby- und Hausfrauensex, Geliebte/Ehefrauen, die ihre sexuellen Dienste gegen Geschenke verrichten, sauber aus der Gesamtstatistik heraustrennen können?
Depressionen und Angststörungen werden nach dem Aussschlussverfahren diagnostiziert. Zunächst werden also physische Ursachen für Symptome anhand von apparativen Untersuchungsmethoden ausgeschlossen.Danach gibt es verschiedene "Fragebögen" die durchgearbeitet werden. Die Antwortscala reicht von "gar nicht" bis "dauerhaft" und verschiedene Abstufungen dazwischen.
Ein guter Diagnostiker vergibt sein Urteil nicht sofort(nur in eindeutigen Fällen), sondern lässt den "Patienten" sein Befinden wochenweise dokumentieren.
Julian Kaye
10.02.10, 18:45
Ich habe leider vergessen, wie hoch in Deutschland der Prozentsatz der Frauen ist, die regelmäßig Gewalt in der Ehe erfahren. Ich habe ihn als recht hoch in Erinnerung. Ich wage die These, dass eine Frau im Escort oder gehobenen Pay6 statistisch weniger gefährdet ist, Gewalt zu erfahren als in der Ehe. Dieser Vergleich mag vielleicht problematisch sein, aber im Ergebnis vermutlich nicht falsch.
Es gibt unzählige nutzlose Pay6-Studien dieser Art, die in erster Linie Vorurteile bestätigen oder die ganz einfach unsauber erstellt wurden, falsche oder verzerrte Ergebnisse liefern. Trotzdem wage ich die Behauptung, dass Pay6 mit besonderen psychischen Belastungen verbunden ist und häufig Menschen mit ganz bestimmten psychischen Problemen im Pay6 anzutreffen sind. So falsch die Studien um so wichtiger ist es, die Problematik nicht zu verharmlosen oder unter den Tisch zu kehren.
Die Pay6-Problematik berührt automatisch viele bereits vorhandene psychische Probleme, das liegt in der Natur der Sache. Es gibt Berufsbilder, die nicht so nah an dieser Schnittstelle liegen.
[...]Im übrigen sollte man die Herren da nicht ausnehmen, ob als Kunde in einem Dominastudio oder im Kreis der Familie.[...]
Ich finde, es macht einen riesengroßen Unterschied, ob jemand freiwillig in ein Etablissement geht, um sich den Hintern versohlen zu lassen, oder ob jemand zwangsweise in einem gewalttätigen Familiensystem steckt!
Jeder hat in seinem Leben schon Symptome einer psychischen Krankheit gezeigt. Das heißt aber nicht, daß er an einer behandlungspflichtigen Erkrankung leidet. Und wer keine hat, leidet an parteiller Amnesie.
Und nach WHO-Definition kann es eh keine gesunden Menschen geben. (vollständige physische, psychische und soziale Gesundheit)
Ich habe leider vergessen, wie hoch in Deutschland der Prozentsatz der Frauen ist, die regelmäßig Gewalt in der Ehe erfahren. Ich habe ihn als recht hoch in Erinnerung.
Ich wage die These, dass eine Frau im Escort oder gehobenen Pay6 statistisch weniger gefährdet ist, Gewalt zu erfahren als in der Ehe. Dieser Vergleich mag vielleicht problematisch sein, aber im Ergebnis vermutlich nicht falsch.
Es gibt unzählige nutzlose Pay6-Studien dieser Art, die in erster Linie Vorurteile bestätigen oder die ganz einfach unsauber erstellt wurden, falsche oder verzerrte Ergebnisse liefern. Trotzdem wage ich die Behauptung, dass Pay6 mit besonderen psychischen Belastungen verbunden ist und ganz häufig Menschen mit ganz bestimmten psychischen Problemen im Pay6 anzutreffen sind. So falsch die Studien um so wichtiger ist es, die Problematik nicht zu verharmlosen oder unter den Tisch zu kehren. Was heißt bei einer bestimmten gewaltsamen Prägung überhaupt noch Freiwilligkeit? Ok, wenn man in Grenzüberschreitungen geübt ist, macht man es eben "freiwillig".
Die Pay6-Problematik berüht automatisch viele bereits vorhandene psychische Probleme, das liegt in der Natur der Sache. Es gibt Berufsbilder, die nicht so nah an dieser Schnittstelle liegen.
Ich hatte gestern einen Termin mit einer Bekannten als Duo. Sie ist sonst nicht im P6 verortet und macht es nur mit mir zusammen, selten, da ich es nicht bewerbe, mit wenigen Herren, die ich bereits kenne. Der Gast, den wir zuletzt vor 1,5 Jahren trafen, meinte, daß sich meine Freundin sehr verändert hätte (ich auch, ich sei gelassener geworden, reifer:clown:). Aus meiner Sicht zum Vorteil, selbstbewußter, stärker ... aus seiner Sicht bedauerte er den Entwicklungsfortschritt. Nun, später nach dem mehrstündigen Termin, sagte sie mir: du, ich habs dem heimgezahlt; er hat mich damals "gebrochen", indem er nämlich permanent nur gefordert und Kommandos gegeben hat und ich habs mir gefallen lassen, es war furchtbar, ich konnte nicht nein sagen. Hatte sie mir damals nicht gesagt und ich hatte die Schallmauer längst durchschritten. Ich fühlte mich furchtbar, daß ich es nicht mitbekommen habe. Jedenfalls wollte er zwei devote Opfer und traf auf zwei erwachsene toughe Frauen. Wir werden ihn sicher nicht wiedersehen, weil wir nicht mehr attraktiv für ihn sind und nein zu sagen gelernt haben.:huepfen:
PS: Gewalt, Ehe oder nicht; die angezeigten Fälle liegen weitaus niedriger im Falle häuslicher Gewalt. Erwähnte ja schon jede 2te Frau. Zum anderen ist eine vorausgegangene Brechung, sei es im Kindes- oder Jugendalter, später in Paarbeziehungen, durch Gewalt oder Missbrauch doch in der Tat sehr weitverbreitet. Und mit diesem Gepäck sicherlich auch bei manchen P6-Kollegen und Kolleginnen anzutreffen. Die Frage ist doch, welche Interessen sich hinter welcher Auftragsstatistik verbergen.
@Iris; der Unterschied ist mir schon klar, es ist aber trotzdem Gewalt. Und sei es nur, durch die Gewohnheit den Kick zu bekommen. Hat ja eine Ursache, wenn man nur durch Strafe und Schläge geil wird. Ich persönlich halte es nicht für gesund, daher habe ich es zusammen geschrieben. Als Domina wird man Komplizin in einem lebenslangen Matyrium, in dem sich die Kunden bewegen; das ist mein Fazit, was ich leider aus eigener Erfahrung stellen muss. Ich habe weder sadistische oder masochistische Impulse, noch nicht einmal für Geld.
Julian Kaye
10.02.10, 19:34
Zu wachsen, auch im Pay6, gehört zum Leben und ist nicht pathologisch sondern gesund. Nicht fertig zu sein in seiner Entwicklung ist auch keine Pathologie. Aber Missbrauch zuzulassen, obwohl man es nicht muss, man es auch nicht will und keiner einen dazu zwingt, das ist der casus cnactus und gehört nach meinen Beobachtungen zur Grundstruktur vieler (auch bei mir) beim Einstieg in den Pay6, der immer wieder auf's Neue die Wiederholung bietet, gleichzeit aber auch die Möglichkeit der Heilung und Weiterentwicklung. Ein gefährlicher, aber auch wichtiger Prozess, der mit einer Depression einhergehen kann. Dabei bräuchte man dann Hilfe. Aber es ist nicht einfach, einen Theratpeuten zu finden, der nicht die Pay6-Tätigkeit in Frage stellt und der damit umgehen kann.
...kommt darauf an wie man Gesundheit definiert. Der Mensch neigt ja dazu, alles was nicht seiner eigenen persönlichen Vorstellung und vorgefertigten Meinung entspricht, die er ja auch nur aufgrund individueller Erfahrungen bilden konnte, zu verurteilen und als "unnormal" abzustempeln. Ich empfinde eher die genormte Gesellschaft als krank, die sich Individualität zum Opfer nimmt um sie gnadenlos zu vernichten versucht.
Leider ist die WHO nicht meiner Meinung, weshalb immer mehr "Schattensymptome" eine Schlüsselnummer erhalten und jeder Bürger nunmehr seine Persönlichkeit in Zahlen ausdrücken kann...Thats Life
---------- Beiträge zusammengefügt um 19:40 Uhr ---------- Vorheriger Beitrag war um 19:36 Uhr ----------
hm...und zu langsam war ich jetzt auch...das sollte eigentlich eine Antwort zu buckmcq Bei:schaem:trag sein
texasrancher
10.02.10, 19:40
.... proportional ....
Hey, das war mein Fremdwort .... :fingers:
Jetzt fällt mir schon mal ein neues Fremdwort ein, und schon wird es zweckentfremdet, wie seinerzeit die "Vehemenz" :lach:
Ich empfinde eher die genormte Gesellschaft als krank, die sich Individualität zum Opfer nimmt um sie gnadenlos zu vernichten versucht.
Ja, so sehe ich das auch. Mit einer "individuellen" Meinung wird man/wurde man historisch betrachtet immer schon in die Ecke der "Verrückten", einer "Linksfront" oder sonstwas gerückt.
Eine sog. "Abweichung" entstammt immer einer Definition der Mehrheitsmeinung, professionalisiert durch Psychiater. Ein Symptom im Sinne einer Störung im Sinne von Krankheit, unter der man unendlich leidet, ist m.E. behandlungsbedürftig, wird aber oft zu spät erkannt oder falsch behandelt. Letzteres weil die Behandelnden selbst in einem "normierten" Denkkorsett stecken und P6ler nolens volens pathologisieren.
Nachdem Homosexualität keine Straftat mehr war, wurde sie zu einer Krankheit.
Heute wird oft Prostitution als behandlungsbedürftige Krankheit angesehen.
Und wer wie ich nicht nach Frau und Kindern strebt, ist zumindest sozial krank.
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Bei allen Normalitätsdiskussionen wird immer das Zustandekommen der Norm vergessen. Auch die Argumente, die sich nicht in der Mitte der Verteilerkurve befinden, sind normal, nur nicht Durchschnitt. Das wird auch bei vielen Diagnosen übersehen. Ich kenne eine Dame, der es schlecht geht, wenn sie weniger als 230 mg% Blutzucker hat. In der Klinik wurde sie fast umgebracht. Als ihre persönlichen Normalwerte einfach um 100 mg% verschoben wurden, war sie gesund eingestellt.
Julian Kaye
10.02.10, 20:01
Woraus schließt Du, dass Homsexualität als Krankheit eingestuft wird. Das ist nicht der Fall.
Das war aber vor ca. 10 Jahren noch so. Homosexualität wurde als sexuelle Perversion geführt.
Das war aber vor ca. 10 Jahren noch so. Homosexualität wurde als sexuelle Perversion geführt.
Homosexualität hatte bis in die 70erJahre eine eigene Diagnosenummer in der ICD 8
Julian Kaye
10.02.10, 20:27
Stimmt, Linda. Die Definition von Krankheit ist eine gesellschaftliche, erfolgt im gesellschaftlichen Kontext und verändert sich. Das betrifft sämtliche Krankheiten. Insbesondere psychische Krankheiten, z.B. Hysterie. Hat jemand "Die zitternde Frau" von Siri Hustvedt gelesen? Sie thematisiert in ihrem autobiografischen Buch die Problematik der Definition von Krankheit und den eigenen Umgang damit.
Auch Freud hat Homosexualität als sexuelle Perversion angesehen, diese Sicht wurde inzwischen dem heutigen Verständnis angepasst.
Auch Freud hat Homosexualität als sexuelle Perversion angesehen, diese Sicht wurde inzwischen dem heutigen Verständnis angepasst.
Sigmund Freud hat auch die Klitoris als verstümmelten Penis betrachtet. Der Typ war einfach ein sexuell frustriertes und von psychischen Komplexen geplagtes Wesen. Der kam weder mit seinem "Ich" noch mit seinem "Über Ich" geschweige denn mit seinem "Es" klar. Der Typ war ein Vergewaltiger des Menschseins (meine Worte).
Freud wäre also der Anti-Escortkunde par excellence - ein von Komplexen geprägter Mann, der sexuell nichts auf die Reihe kriegt und deswegen Frauen schlecht macht.....
Julian Kaye
10.02.10, 21:48
Sigmund Freud hat auch die Klitoris als verstümmelten Penis betrachtet. ...
Zunächst: Die Psychanalyse ist keine wissenschaftliche Disziplin, man kann daran glauben oder es lassen. In einer Diskussion würde ich sie gerne ernst nehmen, sonst kann man nicht darüber diskutieren. Sonst landen wir bei den sogenannten "Herren-", hier wohl eher "Damenwitzen", die im Grunde darauf beruhen, dass sie Freud ernst nehmen, besser gesagt, ihn in ihrem Witz eigentlich bestätigen. Freud hat die Klitoris nicht als vestümmelten Penis betrachtet sondern behauptet, das kleine Mädchen nehme seine Klitoris im Vergleich mit dem Penis seines Bruders als minderwertig war. Das ist ein kleiner sprachlicher aber großer inhaltlicher Unterschied. Auf dieser Behauptung hat er weitere Theorien aufgebaut, unter anderem den Penisneid.
... Der Typ war einfach ein sexuell frustriertes und von psychischen Komplexen geplagtes Wesen. ...
Interssant. Wenn ich das richtig verstehe, bist Du der Meinung, seine ganze Theorie ist falsch und er hat sich geirrt oder seine falsche Theorien überhaupt nur aufgestellt, weil er sexuell frustriert und von psychischen Komplexen geplagt gewesen ist.
Ich halte das in einem Punkt für sehr wahrscheinlich. Der Fortschritt der Wissenschaft und die großen Werke der Kunstgeschichte dürftem in erster Linie darauf beruhen, dass die Menschen sexuell frustriert und von Komplexen geplagt sind. Diese Energie entwickelt eine ungeheure Schaffenskraft. Das gilt meiner Ansicht nach genauso für die Relativitätstheorie Einsteins wie für die Mona Lisa da Vincis. Nichts ist förderlicher für die Weiterentwicklung von Wissenschaft und Kunst wie sexueller Frust, Neurosen und Komplexe.
... Der kam weder mit seinem "Ich" noch mit seinem "Über Ich" geschweige denn mit seinem "Es" klar. Der Typ war ein Vergewaltiger des Menschseins (meine Worte).
Sagen wir mal so, er hat diese Begriffe in seiner Theorie definiert. Ich weiss jetzt nicht, was Du mit Menschsein meinst, somit auch nicht mit "Vergewaltiger des Menschseins". Menschsein ohne Freuds Theorie ist möglich, das Problem ist, das wir seiner Theorie nicht entgehen und man am Ende nicht weiss, ob die Theorie das Menschsein (was immer Du meinst) in irgend einer Weise nachvollzieht oder ob wir unser Menschsein der Theorie angepasst haben, da wir sie verinnerlicht haben. Oder die Theorie unsere Wahrnehmung beeinflusst. Von Letzerem bin ich fest überzeugt. Nichts und niemand ist so präsent wie Freud. Menschsein ist wie Kranksein eine gesellschaftliche Definition und somit eine Variable.
... Freud wäre also der Anti-Escortkunde par excellence - ein von Komplexen geprägter Mann, der sexuell nichts auf die Reihe kriegt und deswegen Frauen schlecht macht.
Freund verfügte über eine erstaunliche Fähigkeit der Selbstreflexion. Du schilderst ihn jetzt als Prototyp des bösen Kunden, der schlechte Berichte schreibt und das Escort für sein sexuelles Versagen verantwortlich macht. Wie nannte Freud das noch mal, wenn man Probleme auf jemanden projeziert, der damit garnichts zu tun hat?
Wie lautet eigentlich das Thema?
Auch Freud hat Homosexualität als sexuelle Perversion angesehen, diese Sicht wurde inzwischen dem heutigen Verständnis angepasst.
Nur mal so nebenbei: Freud war ein exzessiver KOKSER!
Meiner Meinung nach hat er seine "Thesen" mehr oder weniger ZUGEDRÖHNT verfasst, festgelegt.
Es geht ja aber hier nicht um Freud, sondern um Freude oder Zwang.
Wenn man(Frau) wie ich, das escorten als willkommene Abwechslung vom spießigen Alltagstrott betreibt, sehe ich keine Gefahr an einer psychischen Störung zu erkranken, da ja alles freiwillig, ohne menschlichen oder finanziellen Druck passiert.
Das ist natürlich der Idealfall und ich weiss, dass dem nicht immer, gar eher selten, so ist.
Daher kann ich auch nur meine Erfahrungen hier spiegeln und die waren bereichernd, sowohl menschlich als auch finanziell :huepfen:
@Iris; der Unterschied ist mir schon klar, es ist aber trotzdem Gewalt. Und sei es nur, durch die Gewohnheit den Kick zu bekommen. Hat ja eine Ursache, wenn man nur durch Strafe und Schläge geil wird. Ich persönlich halte es nicht für gesund, daher habe ich es zusammen geschrieben. Als Domina wird man Komplizin in einem lebenslangen Matyrium, in dem sich die Kunden bewegen; das ist mein Fazit, was ich leider aus eigener Erfahrung stellen muss. Ich habe weder sadistische oder masochistische Impulse, noch nicht einmal für Geld.
Es gibt auch auf Seiten der Masos/Subs eine „Sorte” von Gästen, die verkappte Täter sind. Wie alle Täter haben sie einen sehr guten Instinkt für die Schwachstellen ihres Gegenübers. Wenn die Frau sich nicht vorsieht, unerfahren oder einfach schlecht abgegrenzt ist, findet sie sich schnell in einer Situation wieder, in der sie etwas tut, was ihr eigentlich widerstrebt. Diese Form der Selbstvergewaltigung gibt dem Täter die Möglichkeit, Gewalt, also Zwang, auszuüben, ohne sich selbst schuldig zu machen. Der Sinn einer solchen Veranstaltung liegt darin, eine psychische Problematik zu reinszenieren, mit dem eigentlichen Wunsch nach Lösung. Leider beschränken sich viele Dominas/Domina-Darstellerinnen selbst in ihrem Handlungsspielraum durch antiquierte Benimmregeln. Auch hier macht es Sinn, zwischen privat ausgeübtem und professionellem SM zu unterscheiden. Letzterer bietet dem Mann einen (weitgehend) geschützten Rahmen, wo es weder Not tut, noch erwünscht ist, das Leitbild der Hingabe und Unterwerfung mit den Belangen partnerschaftlich-emotionaler Abhängigkeiten zu vermischen.
Die Gäste, die als Kind misshandelt wurden, sind eine Ausnahme. Es kann natürlich gut sein, dass sich hier Komplexe aus dem psychischen Erbe der Sippe konkretisieren. Aber das zu ergründen ist nicht mein Job.
Wenn ich mit Leuten über SM spreche, fallen öfter Bemerkungen wie, das sei ja Mode geworden und „in”, deswegen machten das alle. Ich glaube eher, dass in der modernen Gesellschaft kaum noch Platz ist für bedingungsloses Vertrauen und Hingabe, wie ich sie in Sessions erleben darf.
Bloßeinbesucher
11.02.10, 12:54
Bei den Frauen (freilich nur ein paar), die mir erzählten, sie seien von ihrem Vater geschlagen worden, hatte ich im nachhinein meist den Eindruck, daß sie mir damit etwas ganz anderes mitteilen wollten: den Wunsch, von mir geschlagen oder jedenfalls grob angefaßt zu werden. Ob sie die Wahrheit gesagt, nur eine Phantasie geäußert oder schlicht geflunkert haben, dürfte sich kaum entscheiden lassen. Zu bedenken ist auch, daß sogar eine methodisch sauber angelegte Untersuchung zu verzerrten Ergebnissen führen kann. Wer glaubt, sich für die Tätigkeit als Prostituierte rechtfertigen zu müssen, wird immer etwas dicker auftragen, wenn er nach eventuellen Schädigungen z.B. durch familiäre Einflüsse gefragt wird.
Es gibt auch auf Seiten der Masos/Subs eine „Sorte” von Gästen, die verkappte Täter sind. Wie alle Täter haben sie einen sehr guten Instinkt für die Schwachstellen ihres Gegenübers.
Diese "Sorte" findet man leider auch hin und wieder im Beruf als Chef / Vorgesetzten.
Aber das ist ein besonderes Thema.
Gruß Jupiter
Woraus schließt Du, dass Homsexualität als Krankheit eingestuft wird. Das ist nicht der Fall.
http://www.kreuz.net/article.6101.html - als beispiel
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,619571,00.html
http://www.stevenmilverton.com/2010/02/04/unumpolbar/
und ansonsten . . . :blinken:div öschi kardinäle
Chandler Bing
11.02.10, 19:41
Wenn ich mit Leuten über SM spreche, fallen öfter Bemerkungen wie, das sei ja Mode geworden und „in”, deswegen machten das alle. Ich glaube eher, dass in der modernen Gesellschaft kaum noch Platz ist für bedingungsloses Vertrauen und Hingabe, wie ich sie in Sessions erleben darf.
Eine Anmerkung hierzu von einem Outsider, was SM betrifft: ich glaube, dass die Übertragung solch intimer Momente - aufgrund welcher die Ausprägung eigener Sexualität bedingenden Sozialisation auch immer - auf "die Gesellschaft" bzw. eine Bewertung oder Annahme von Interdependenzen (Vertrauen/Hingabe <-> gesellschaftl. Akzeptanz/Realität) da ganz schwierig ist.
Da begegnen sich zunächst Individuen in einem persönlichen Rahmen - sehr persönlich und sicher erfordert SM ein besonderes Vertrauen. Da höre ich - neben einem Bedauern über den Zustand der Gesellschaft - aber auch ein wenig Romantisierung mitschwingen. Vielleicht täusche ich mich aber auch.
Ich fände es bedauerlich, wenn das Zugeständnis von "Vertrauen und Hingabe" einem exklusiveren Zusammenhang vorbehalten bleibt (wie von manchen Homosexuellen ja auch der Eindruck vermittelt wird, man habe einfach eine gewisse Bewusstseinsstufe noch nicht erreicht - was auch diskriminiert).
Ich weiß schon, was Du meinst, glaube ich. Nur das Apodiktische an Deiner Aussage hat mich - wahrscheinlich aus Eifersucht auf das nahezu lyrische Moment des Begriffspaares V&H - irritiert.
Wer wirklich vertraut, liefert sich meistens (wenn nicht immer) aus - er ist darauf angewiesen, wie sein Gegenüber damit umgeht. Dass verantwortungsvoll damit umgegangen wird. Er gibt sich hin. Und das gilt für viele Lebens- und Liebesbereiche.
Vertrauen birgt Missbrauchsmöglichkeiten - und darum scheint es in dem Thread ja ganz generell auch zu gehen.
---------- Beiträge zusammengefügt um 19:41 Uhr ---------- Vorheriger Beitrag war um 19:13 Uhr ----------
Woraus schließt Du, dass Homsexualität als Krankheit eingestuft wird. Das ist nicht der Fall.
http://www.kreuz.net/article.6101.html - als beispiel
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,619571,00.html
http://www.stevenmilverton.com/2010/02/04/unumpolbar/
und ansonsten . . . :blinken:div öschi kardinäle
Wenn ich mich recht erinnere, wurde noch vor Jahren im Lehrbuch "Psychologie" von Zimbardo, Homosexualität als Krankheit eingestuft. Der Mann ist kein Unbekannter in der professoralen Szene (er war der mit dem bekannten Gefängnis-Experiment - Stanford Prison Experiment). Er "verstieg" sich (m.E.) hinsichtlich der Löschung des "Krankheitsbildes" Homosexualität in den USA zu der Aussage: "Am 14. Dezember 1973 waren die Homosexuellen geistig kranke, sexuell Abartige. Am 15. Dezember 1973 waren die Homosexuellen nicht mehr krank" (P.G. Zimbardo, 1983) - zitiert hier (http://psychosoziale-gesundheit.net/psychohygiene/perverse.html). Es kann aber auch sein, dass ich mich eines "Geschmäckles" dieser Aussage falsch entsinne.
Jedenfalls ist die Diskussion über eine angebliche Pathologie der Homosexualität noch nicht soo lange her.
Dazu bedarf es keines kirchlichen Ambientes. Obwohl man dort oft Nährboden dafür findet: ich denke u.a. mit Schrecken an die oft pharisäerhaft frömmelnden sog. gay converter im Südwesten der USA. Aber eigentlich führt das ein bisschen weg vom Thema.
Gruß
Chandler B*
Namenloser
11.02.10, 21:08
Sigmund Freud hat auch die Klitoris als verstümmelten Penis betrachtet. ....
Das ist ja aus Sicht der Embryonalentwicklung auch gar nicht so falsch: Entwicklung männlicher und weiblicher Geschlechtsorgane (http://www.baby2see.com/gender/external_genitals.html)
Das ist ja aus Sicht der Embryonalentwicklung auch gar nicht so falsch: Entwicklung männlicher und weiblicher Geschlechtsorgane (http://www.baby2see.com/gender/external_genitals.html)
stimmt: siehe Prof. Paul Blechschmidt, Uni Göttingen
Eine Anmerkung hierzu von einem Outsider, was SM betrifft: ich glaube, dass die Übertragung solch intimer Momente - aufgrund welcher die Ausprägung eigener Sexualität bedingenden Sozialisation auch immer - auf "die Gesellschaft" bzw. eine Bewertung oder Annahme von Interdependenzen (Vertrauen/Hingabe <-> gesellschaftl. Akzeptanz/Realität) da ganz schwierig ist.
Da begegnen sich zunächst Individuen in einem persönlichen Rahmen - sehr persönlich und sicher erfordert SM ein besonderes Vertrauen. Da höre ich - neben einem Bedauern über den Zustand der Gesellschaft - aber auch ein wenig Romantisierung mitschwingen. Vielleicht täusche ich mich aber auch.
Ich fände es bedauerlich, wenn das Zugeständnis von "Vertrauen und Hingabe" einem exklusiveren Zusammenhang vorbehalten bleibt (wie von manchen Homosexuellen ja auch der Eindruck vermittelt wird, man habe einfach eine gewisse Bewusstseinsstufe noch nicht erreicht - was auch diskriminiert).
Ich weiß schon, was Du meinst, glaube ich. Nur das Apodiktische an Deiner Aussage hat mich - wahrscheinlich aus Eifersucht auf das nahezu lyrische Moment des Begriffspaares V&H - irritiert.
Wer wirklich vertraut, liefert sich meistens (wenn nicht immer) aus - er ist darauf angewiesen, wie sein Gegenüber damit umgeht. Dass verantwortungsvoll damit umgegangen wird. Er gibt sich hin. Und das gilt für viele Lebens- und Liebesbereiche.
Vertrauen birgt Missbrauchsmöglichkeiten - und darum scheint es in dem Thread ja ganz generell auch zu gehen.
Ich bedaure nicht den Zustand der Gesellschaft, aber ich habe Phantasien darüber, was ihr fehlen könnte. Vielleicht verstehst du das Apodiktische an und das Romantische in meiner Aussage, wenn ich einen Begriff einführe, den ich eigentlich vermeiden wollte, nämlich das religiöse Moment. Ich glaube, dass SM-Settings die Funktion der Katharsis, der Psycho-Hygiene übernehmen, die zu früheren Zeiten religiöse Kulte/Rituale erfüllt haben.
Die Begegnungen sind sehr intim, aber geradezu unpersönlich. Der Gast möchte eben nicht seine mühsam konturierte Persönlichkeit ins Spiel bringen, sondern sein Selbst aufgeben, willenlos sein; geführt, geprüft, aufgefangen und erlöst werden.
Es liegt mir fern, einen Exklusivheitsanspruch der Dominastudios auf Vertrauen und Hingabe zu postulieren. Aber sie gehören wohl zu den Orten, wo Menschen das erleben können. Ein jeder nach seiner Neigung.
Ich möchte noch betonen, dass ich nur meine Beobachtungen als professionelle Domina wiedergebe. Genauer gesagt empfinde ich mich als Darstellerin, denn ich lebe SM nicht privat. Wie sich eine private Sub/Dom-Beziehung ausnimmt, ist wahrscheinlich eine ganz andere Geschichte.
Julian Kaye
12.02.10, 09:57
Übrigends, im Gegensatz zur hier angeführten Homosexualität gilt Sadomasochismus nach der aktuellen ICD-10 tatsächlich als Krankheit. Eine Einstufung, die nach meinem Dafürhalten nicht mehr dem allgemeinen Empfinden und der (westeuropäischen) gesellschaftlichen Realität entspricht.
Chandler Bing
12.02.10, 10:07
Liebe Iris,
ich war, wie erwähnt, nur kurzzeitig irritiert.
Vielleicht verstehst du das Apodiktische an und das Romantische in meiner Aussage, wenn ich einen Begriff einführe, den ich eigentlich vermeiden wollte, nämlich das religiöse Moment. Ich glaube, dass SM-Settings die Funktion der Katharsis, der Psycho-Hygiene übernehmen, die zu früheren Zeiten religiöse Kulte/Rituale erfüllt haben.
Ja, das kann ich einordnen. Aber vielleicht erklärt das auch die vor Dir angesprochene "Mode". An der Ritualisierung, auch mit einem als kathartisch empfundenen Ziel, ist sicher was dran.
Das steht aber m.E. auch im Zusammenhang mit dem, was R. Willemsen pointiert damit ausgedrückt hat, dass man als aufgeklärter Mensch manchmal nicht weiß, wie man sich in seiner "tranzendentalen Dispora" zurecht finden soll.
Jetzt sind wir aber endgültig bei einem anderen Thema angelangt.
Nur kurz noch als Gedanke (weil's mir gerade durch den Kopf schießt): es gibt den Satz: "Der Mensch ist unheilbar religiös", womit wir - auch wenn ich jetzt gesteinigt werde - u.a. auch wieder bei der Psychoanalyse und Papa Freud wären. Es gibt ein Grundbedürfnis, die Hilflosigkeit des Menschen erträglich zu machen (auch wenn das jetzt 'ne Riesenbaustelle ist). Naheliegender Weise dürfte danach Sex, gerade im SM-Bereich, das Mittel oder Forum einer Sublimierung sein.
n.b.: Ich bin - zur allseitigen Beruhigung - kein Psychoanalytiker und muss da nichts verteidigen.
Die Begegnungen sind sehr intim, aber geradezu unpersönlich. Der Gast möchte eben nicht seine mühsam konturierte Persönlichkeit ins Spiel bringen, sondern sein Selbst aufgeben, willenlos sein; geführt, geprüft, aufgefangen und erlöst werden.
Gerade weil ich mir Ersteres vorstellen kann (aber auch das wird wahrscheinlich von den handelnden Personen abhängen und unterschiedlich sein), war ich über das Begriffspaar "Vertrauen und Hingabe" in diesem Zusammenhang dem Grunde nach eigentlich wenig erstaunt. Vermutlich war es die dazugefügte "Bedingungslosigkeit", die meinen Eindruck verstärkt hat. Ich war mir schlcihtweg nicht sicher, ob ich Dich richtig verstanden habe.
Es liegt mir fern, einen Exklusivheitsanspruch der Dominastudios auf Vertrauen und Hingabe zu postulieren.
Das hätte mich auch erstaunt.
Aber sie gehören wohl zu den Orten, wo Menschen das erleben können. Ein jeder nach seiner Neigung.
Unbenommen und selbstredend. Aber das muss ich eigentlich nicht wirklich betonen.
Kürzlich las ich mal eine interessante, aber nach meine Dafürhalten nicht unpassende Defintion für Gesundheit im allgemeinen:
Gesund ist man, wenn man mit seinen Krankheiten gut leben kann.
Das lässt sich auch durchaus auf die hier thematisierten Besonderheiten anwenden.
Chandler Bing
12.02.10, 10:19
Übrigends, im Gegensatz zur hier angeführten Homosexualität gilt Sadomasochismus nach der aktuellen ICD-10 tatsächlich als Krankheit. Eine Einstufung, die nach meinem Dafürhalten nicht mehr dem allgemeinen Empfinden und der (westeuropäischen) gesellschaftlichen Realität entspricht.
Julian, ich bin da eher bei Dir. Aber Realitäten werden gemacht.
Ich möchte ja kein Miesepeter sein, aber - ich versuche es vorsichtig zu formulieren - "pathologische Grenzberührungen" dürften (z.B. unter Gesichtspunkten von Sucht) nicht grds. auszuschließen sein - ohne jetzt den ICD-10 wegen seiner Stringenz evangelikal zu betrachten. Und noch eins: strafrechtlich reden wir hier per definitionem von Körperverletzungshandlungen, die nur wegen eines sog. tatbestandsausschließenden Einverständnisses straflos bleiben.
Bittere Wahrheiten, die wir aber gleich wieder vergessen. Zur Beruhigung: Letzteres gilt für jede noch so kleine medizinische Operation. Ansonsten müssten alle Ärzte eingesperrt werden.
So, jetzt will ich aber beileibe kein Spielverderber mehr sein.
@all:
Schönen Tag
Chandler B*
Übrigends, im Gegensatz zur hier angeführten Homosexualität gilt Sadomasochismus nach der aktuellen ICD-10 tatsächlich als Krankheit. Eine Einstufung, die nach meinem Dafürhalten nicht mehr dem allgemeinen Empfinden und der (westeuropäischen) gesellschaftlichen Realität entspricht.
Ich weis nicht, echter Sadismus ist schlicht sich daran aufgeilen, einem anderen Menschen physischen Schaden, bis zum qualvollen Tod, zuzufügen. Das gibt es übrigens weniger selten als man denkt und bricht sich den Weg an die Oberfläche, wenn gesellschaftliche Kontrollen versagen. Das geht bis zu regelrechtem Blutrausch und Genozid.
Eine andere Frage ist natürlich, ob das als Krankheit (heilbar) oder Veranlagung (nicht heilbar, nur kontrollierbar) anzusehen ist, abseits der Frage der "Normalität". Keine Ahnung.
Eine gesellschaftliche Anerkennung von echtem Sadismus halte ich für buchstäblich tödlich. Und Realität ist es zum Glück eben nicht (jedenfalls derzeit und bei uns).
P.S.: wenn Du aber gewisse Ansätze und Tendenzen zu sadistischem Verhalten in emotionaler Hinsicht meinst, das mag in der Tat bedauerliche Realität sein.
P.P.S.: Dom/Sub-Verhältnisse haben nach meinen (außenstehenden) Verständnis nichts mit Sadismus zu tun, weil der/die Dom gerade peinlichst darauf achtet, keinen Schaden anzurichten.
Julian Kaye
12.02.10, 13:16
Ich weis nicht, echter Sadismus ist schlicht sich daran aufgeilen, einem anderen Menschen physischen Schaden, bis zum qualvollen Tod, zuzufügen. Das gibt es übrigens weniger selten als man denkt und bricht sich den Weg an die Oberfläche, wenn gesellschaftliche Kontrollen versagen. Das geht bis zu regelrechtem Blutrausch und Genozid.
Eine andere Frage ist natürlich, ob das als Krankheit (heilbar) oder Veranlagung (nicht heilbar, nur kontrollierbar) anzusehen ist, abseits der Frage der "Normalität". Keine Ahnung.
Eine gesellschaftliche Anerkennung von echtem Sadismus halte ich für buchstäblich tödlich. Und Realität ist es zum Glück eben nicht (jedenfalls derzeit und bei uns).
P.S.: wenn Du aber gewisse Ansätze und Tendenzen zu sadistischem Verhalten in emotionaler Hinsicht meinst, das mag in der Tat bedauerliche Realität sein.
P.P.S.: Dom/Sub-Verhältnisse haben nach meinen (außenstehenden) Verständnis nichts mit Sadismus zu tun, weil der/die Dom gerade peinlichst darauf achtet, keinen Schaden anzurichten.
Die ICD-10 bezieht sich nicht auf Gewaltverbrechen oder Psychoterror im Allgemeinen, sondern ausschließlich auf die bevorzugte sexuelle Aktivität. Eine äußerst kompetente Kollegin hat in einem Sexwoker-only-Forum den ICD-10 Eintrag gepostet:
F65.5
Sadomasochismus
Hinw: Es werden sexuelle Aktivitäten mit Zufügung von Schmerzen, Erniedrigung oder Fesseln bevorzugt. Wenn die betroffene Person diese Art der Stimulation erleidet, handelt es sich um Masochismus; wenn sie sie jemand anderem zufügt, um Sadismus. Oft empfindet die betroffene Person sowohl bei masochistischen als auch sadistischen Aktivitäten sexuelle Erregung.
Das entspricht weder dem allgemeinen Empfinden noch unserer gesellschaftlichen Realität.
In England, der Wiege der strengen Erziehung:clown: sind BDSM Angebote Straftatbestand, Dominas machen sich der "Folter" schuldig, so argumentieren zumindest die Richter. So sind schon einige Studios geschlossen worden. Das Gesetz dort unterscheidet nicht wirklich zwischen lustvoller Unterwerfung, Devotion (wie ich es persönlich auch mag, wenn eine entsprechende Vertrauensbasis da ist), oder sado-masochistischen Praktiken, die an die Schmerzgrenze gehen und überschreiten.
Sonnenkönig
12.02.10, 14:36
Sigmund Freud hat auch die Klitoris als verstümmelten Penis betrachtet. Der Typ war einfach ein sexuell frustriertes und von psychischen Komplexen geplagtes Wesen. Der kam weder mit seinem "Ich" noch mit seinem "Über Ich" geschweige denn mit seinem "Es" klar. Der Typ war ein Vergewaltiger des Menschseins (meine Worte).
Freud wäre also der Anti-Escortkunde par excellence - ein von Komplexen geprägter Mann, der sexuell nichts auf die Reihe kriegt und deswegen Frauen schlecht macht.....
Obwohl ich diesen Ansatz, alles am Menschen bis ins mikroskopische auseinanderzunehmen und hinter jeder Zigarre mehr zu vermuten schlichtweg grauenhaft finde, sollte man ihn doch nicht steinigen. Er hat ja immerhin ein, zwei wichtige Erkenntnisse zutage gefördert.
Dem zweiten Absatz wiederspreche ich; ich glaube, er wäre ein fleißiger Bucher, allerdings wohl das, was hier gemeinhin als Mindfucker bekannt ist.
In England, der Wiege der strengen Erziehung:clown: sind BDSM Angebote Straftatbestand, Dominas machen sich der "Folter" schuldig, so argumentieren zumindest die Richter. So sind schon einige Studios geschlossen worden. Das Gesetz dort unterscheidet nicht wirklich zwischen lustvoller Unterwerfung, Devotion (wie ich es persönlich auch mag, wenn eine entsprechende Vertrauensbasis da ist), oder sado-masochistischen Praktiken, die an die Schmerzgrenze gehen und überschreiten.
:clown: Deshalb also wird das Oberhaus so regelmäßig aufgelöst.
bluemarine
12.02.10, 16:34
Jenseits von SM und erzwungener Prostitution:
Zu Beginn habe ich mich oft gefragt, warum manche Frauen - entgegen der gesellschaftlichen Grenzen und Konventionen - bereit sind, mit fremden Männern für Geld zu schlafen. Ich hatte immer latent die Vermutung, dass irgend etwas in ihrer Kindheit verkorkst wurde (Missbrauch?). Wie sonst erklären, dass diese gesellschaftlichen/moralischen Grenzen für diese Frauen nicht gelten?
Ich habe das Thema nürlich nie mit einem Escort angeschnitten. Mit der Zeit aber habe ich gesehen, dass die Beweggründe doch vielfältiger sein könnten und ich versuche nicht mehr den Psychologen zu spielen. Es gibt halt (zum Glück :-) ) Frauen, die einfach Spass am Sex haben, andere, die Freigeist genug sind, um sich über die gesellschaftlichen Normen hinweg zu setzen, wieder andere, die gar nicht erst mit diesem moralischen Ballast gross geworden sind etc.
Ob nun gerade erst durch die Escort-Tätigkeit seelische/psychische Schäden entstehen, kann ich nicht beurteilen. Wenn es ganz dumm läuft (junges, unerfahrenes Mädchen trifft auf wirklich ganz fiesen Zeitgenossen - das kann auch sehr subtil ablaufen), dann kann ich mir schon vorstellen, dass es einen Knacks geben kann. Sonst, sehe ich das eher als Bereicherung für Escorts, wenn die Escort-Damen die passende Einstellung und Erfahrung haben. Oder irre ich mich???
Auf alle Fälle habe ich bisher (fast) nur Escort-Damen getroffen, deren Offenheit und Toleranz für deren Gegnüber mich immer wieder beeindruckt haben - ein Charakterzug der sehr positiv ist und wahrscheinlich wichtig, um das alles mit Spass an der Sache zu machen und nicht "aus dem Gleichgewicht" zu kommen.
Mich würde aber schon sehr interessieren, ob Escort-Begleitung für die eine oder andere Frau nicht doch eine Belastung ist - nur werden die wahrscheinlich hier nicht schreiben, Männer wollen ja auch belogen werden in diesem Punkt.
Von den zitierten und nicht zitierten Umfragen/Untersuchungen halte ich nicht viel. Ich fürchte, dass entweder die Studien-Initiatoren voreingenommen sind oder die Erhebungen nicht representativ.
Julian Kaye
12.02.10, 18:58
Ich bin zwar keine Frau, kann aber über eigene Erfahrungen und Beobachtungen sprechen und habe bemerkt, dass meine eigene Problematik der vieler Frauen im Pay6 ähnlich ist. Ich möchte an dem, was Iris in einem vorhergehenden Posting sagte, anknüpfen:
Wenn die Frau sich nicht vorsieht, unerfahren oder einfach schlecht abgegrenzt ist, findet sie sich schnell in einer Situation wieder, in der sie etwas tut, was ihr eigentlich widerstrebt. Diese Form der Selbstvergewaltigung, ...
und diesen einen Gedanken, nicht das, was Iris im weiteren Verlauf ausführt, aufnehmen. Wir alle treffen unsere Entscheidungen über das, was wir beruflich machen, aus ganz bestimmten Gründen, eine Mischung aus Möglichkeiten, Sachzwängen, Interesse, Lust, Neugier, Irrtümern, Illusionen. Zumindest sehen wir das so und behaupten es. Wir unterliegen aber auch einem Masterplan, einem Konstrukt aus unserer Vergangenheit, dem Erlebten und Erfahrenen, der uns lenkt, ohne dass es uns bewusst ist. Das heißt, es gibt immer Beweggründe, die uns selbst nicht klar, nicht bewusst sind, die uns in unsere Vergangenheit führen, wenn wir unser Handeln und unsere Entscheidungen im Nachhinein verstehen wollen. Deine Frage bedarf keiner Relativierung oder gar Entschuldigung, auch wenn jedes Escort unendlich genervt ist, von einem Kunden beim Date gefragt zu werden, warum es diesen Job denn macht, so ist sie in diesem Zusammenhang hier richtig und wichtig: Warum hat eine ganz offensichtlich attraktive, intelligente und in jeder Beziehung fitte Frau Sex mit einem Mann, den sie nicht kennt, der sie aus bestimmten Gründen, die nicht die ihren sind, ausgesucht hat, warum macht sie es sich zur Aufgabe, ihn sexuell zu befriedigen, ihm seine Wünsche, seine Bedürfnisse (die den ihren nicht entsprechen müssen oder vielleicht sogar zuwiderlaufen) zu erfüllen? Das gilt für einen Mann zwar genauso, ich bleibe aber hier beim Frauenbeispiel.
Zunächst einmal, ganz offensichtlich, um Geld zu verdienen. Ok. Das ist häufig aber auch anders möglich. Warum dann ausgerechnet diese Variante des Geldverdienens? Die üblichen Antworten schließe ich jetzt einmal aus. Eine Möglichkeit kann sein, in meinem Fall ist es so gewesen, und ich habe das bei vielen anderen beobachten können, was mir in Gesprächen auch bestätigt wurde, nämlich, dass man im Pay6 eine derartige Situation des Missbrauchs selbstbestimmt in der sicheren Position des Erwachsenen immer wieder neu inszenieren und erleben kann. Das bietet zunächst einmal ein großes Gefühl der Freiheit und Unabhängigkeit. Man kann Situationen und Menschen, intensiven vielfältigen Sex im Positiven kennenlernen, ohne soziale und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, wunderbare, interessante Erfahrungen machen, die einem sonst verborgen bleiben würden. Das Erlebnis der eigenen Attraktivität, der Flexibilität in Bezug auf den Sexualpartner, stärkt das Selbstbewusstsein ernorm. Ein wichtiger Faktor für Menschen mit Verletzungen der Persönlichkeit in der Kindheit. Es kann, es muss nicht, aber es kann sich bei dieser Tätigkeit um ein vorsichtiges unbewusstes Herantasten handeln (aus der Position des starken Erwachsenen) an eine Situation, die einer traumatisierenden Ausgangssituation in der Kindheit in bestimmten Einzelaspekten entspricht oder um eine Form der kontinuierlichen Selbstverletzung, eine Verletzung, wie man sie immer wieder erleben und über sich ergehen lassen musste, ohne es zu verstehen oder reflektieren zu können. Als wehrloses unschuldiges Kind in einer Position der Ohnmacht. Eine Selbstinszenierung, die jetzt immer wieder herbeigeführt wird in der der Anonymität, wie sie der Pay6 bietet. Das führt unweigerlich zu einem wichtigen Punkt – und hier wird es dann schwierig: Es stellt sich auf einmal, ganz unverhofft, manchmal ausgelöst durch einen einzigen Pay6-Kontakt, ein Gefühl der Verletzung ein, ein Gefühl, das man bis zu diesem Punkt nicht fühlte, nicht wahrnahm, nicht zulassen konnte, auch Widerwille, Ablehnung, vielleicht auch Wut (hoffentlich). Das muss wohlgemerkt nichts mit dem aktuellen Auslöser zu tun haben, nicht wirklich mit der Person, die man im Pay6 gerade trifft, vielleicht nur mit einem Detail, einem einzigen Wort, dem Zimmer, es kommt aus der eigenen Vergangenheit etwas hoch, Erlebnisse und Verletzungen und Traumatisierungen, die man als Kind vielleicht erlitten hat und die man verdrängt, vergessen hat und die man unbewusst reinszeniert um sie in einer sichereren Position wiedererleben zu können. Das ist ein Prozess der Heilung, aber nicht unproblematisch.
Hier kann es zu psychischen Problemen kommen, bei der man vielleicht dringend Hilfe bräuchte. Nicht selten ist es der Ausgangspunkt einer Depression oder anderer psychischer Störungen oder, wenn das Escort sich nicht zurückziehen kann, keine Möglichkeit hat, eine Auszeit zu nehmen, zur Selbstreflexion, keine Perspektive zum Ausstieg sieht, entsteht ein Gefühl der Ohnmacht, des Ausgeliefertseins, des Zwangs. Das ist ein wichtiger Punkt um sich weiterentwickeln zu können. Lösungen gibt es immer, einfach weitermachen geht an dieser Stelle nicht mehr.
Das ist ein mögliches Szenario, das nicht selten ist im Pay6, aber auch nicht der „Normalfall“, den es im Pay6 genau so wenig wie in allen anderen Bereichen gibt.
Jenseits von SM und erzwungener Prostitution:
Zu Beginn habe ich mich oft gefragt, warum manche Frauen - entgegen der gesellschaftlichen Grenzen und Konventionen - bereit sind, mit fremden Männern für Geld zu schlafen. Ich hatte immer latent die Vermutung, dass irgend etwas in ihrer Kindheit verkorkst wurde (Missbrauch?). Wie sonst erklären, dass diese gesellschaftlichen/moralischen Grenzen für diese Frauen nicht gelten?
Ich habe das Thema nürlich nie mit einem Escort angeschnitten. Mit der Zeit aber habe ich gesehen, dass die Beweggründe doch vielfältiger sein könnten und ich versuche nicht mehr den Psychologen zu spielen. Es gibt halt (zum Glück :-) ) Frauen, die einfach Spass am Sex haben, andere, die Freigeist genug sind, um sich über die gesellschaftlichen Normen hinweg zu setzen, wieder andere, die gar nicht erst mit diesem moralischen Ballast gross geworden sind etc.
Ob nun gerade erst durch die Escort-Tätigkeit seelische/psychische Schäden entstehen, kann ich nicht beurteilen. Wenn es ganz dumm läuft (junges, unerfahrenes Mädchen trifft auf wirklich ganz fiesen Zeitgenossen - das kann auch sehr subtil ablaufen), dann kann ich mir schon vorstellen, dass es einen Knacks geben kann. Sonst, sehe ich das eher als Bereicherung für Escorts, wenn die Escort-Damen die passende Einstellung und Erfahrung haben. Oder irre ich mich???
Auf alle Fälle habe ich bisher (fast) nur Escort-Damen getroffen, deren Offenheit und Toleranz für deren Gegnüber mich immer wieder beeindruckt haben - ein Charakterzug der sehr positiv ist und wahrscheinlich wichtig, um das alles mit Spass an der Sache zu machen und nicht "aus dem Gleichgewicht" zu kommen.
Mich würde aber schon sehr interessieren, ob Escort-Begleitung für die eine oder andere Frau nicht doch eine Belastung ist - nur werden die wahrscheinlich hier nicht schreiben, Männer wollen ja auch belogen werden in diesem Punkt.
Von den zitierten und nicht zitierten Umfragen/Untersuchungen halte ich nicht viel. Ich fürchte, dass entweder die Studien-Initiatoren voreingenommen sind oder die Erhebungen nicht representativ.
Siehst du, deine eigenen Erfahrungen haben dich die Realität differenzierter und schärfer sehen lassen, was gesellschaftliche Moral etc. betrifft.
Nach meinem Dafürhalten unterscheidet sich die weibliche Erfahrung als Escort kaum von Frauen, die kein Escort oder andere Varianten anbieten. So wie ein geistig und körperlich gesunder Mann, ob Bucher/Kunde oder nicht, auf ein weibliches nicht-verkorkstes Pendant treffen möchte, so möchten Escorts, Callgirls etc. nicht auf Dumpfbacken, aggressive und unangenehme Zeitgenossen treffen. Sollte dies trotzdem geschehen, was trotz aller Vorsichtsmassnahmen und guter Intuition von Zeit zu Zeit geschieht, ist je nach Schwere des Erlebten eine Pause, in jedem Fall eine gewisse reflektierte Erholungszeit angebracht, damit man wieder mit guten Gefühl durchstarten kann und kein "Knacks", wie du schreibst, zurückbleibt. Ich habe auf dieser bunten Wiese des P6 schon einiges erlebt, ich würde sagen 95% positive Erfahrungen, aber 5% Patienten, das muss man erst verarbeiten, sonst verändert es das offene Wesen, was die meisten Damen ja durchgängig auszeichnet, die sehr viel zu geben bereit sind.
Es ist nur leider so, daß die gesellschaftlich interessierte Sichtweise gerne aus allen im P6 Beteiligten zwanghaft Opfer oder Täter machen will; das geht auch im Gedankengerüst so mancher Bucher nicht vorbei, schlechtes Gewissen bei ausserehelichem P6-Beischlaf bzw. des Selbststigmas vieler Frauen. Wenn das Stigma und die Täter-/Opfer-Zuweisungen entfallen würden - das ist natürlich utopische Denke -, könnten alle Beteiligten relaxter unserem speziellem Hobby, Berufung oder Job nachgehen. Aber soweit ist diese Gesellschaft noch nicht.
@Julian: du meinst eine Flashback-Situation? Grundsätzlich glaube ich, daß die Frage der Entgrenzung die Schlüsselfrage ist, wie ich auch schon mehrfach an anderen Stellen erwähnte; sei es die Zeit vor oder während P6 bzw. danach, falls dies ein Grund zum Ausstieg wird; wobei man - falls entsprechend disponiert - von einer habitualisierten Entgrenzung sprechen könnte, die fortlaufend un/bewusst weitergeführt wird, hier begibt man sich allerdings von einer riskanten Situation in die nächste, da bestimmte interessierte Kreise ein "Opfer" auf Meilen riechen können. Gibt ihnen ja auch den Kick. Ich glaube, daß selbst öffentliche Diskussionen wie diese, einige kranke Gemüter vor ihrem Rechner zum Wichsen bringt. Daher würde ich bestimmte Diskussionen im offenen Bereich nur mit allergrösster Vorsicht führen.
Julian Kaye
12.02.10, 19:24
@Ariane: Ja, das meine ich, allerdings habe ich mir Mühe gegeben, es mit einfachen Worten zu sagen. Ich weiß sehr wohl, dass es eine Gefahr birgt, weniger für mich, aber allgemein, das so offen zu diskutieren. Ich weiß aber auch aus meiner eigenen Erfahrung, dass dieser Punkt wichtig ist für die eigene Entwicklung und eine Chance, gestärkt daraus hervorzugehen. Es muss nicht der Ausstieg sein, stärker als vorher, verändert, kann man, anders als vorher, weitermachen. Das tut dann richtig gut. Aber dazu braucht man Hilfe und das geht meistens nicht ohne psychische Probleme ab.
Die Probleme im Pay6 sind meist stärker und auch häufiger als in anderen Bereichen, da Pay6 mit der Sexualität verwoben ist. Sexualtität ist nie unkompliziert.
Die Probleme im Pay6 sind meist stärker und auch häufiger als in anderen Bereichen, da Pay6 mit der Sexualität verwoben ist. Sexualtität ist nie unkompliziert.
Richtig Julian und da diese Problematik nicht auf P6 beschränkt ist, lohnt es sich, dass jeder sich hierzu Gedanken macht.
Wie oft passiert es im privaten oder beruflichen Bereich, dass man selbst in einer Weise reagiert, wo man sich schon hundertmal gesagt hat, beim nächstenmal nicht wieder so in dem alten Schema.
Die erste Voraussetzung ist hier sicher, dies Schemata selbst zu erkennen.
Gruß Jupiter
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