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Vollständige Version anzeigen : Möhrchen


Harry Haller
11.12.06, 10:27
Ich habe den folgenden Text vor 2 1/2 Jahren verfasst. Die Dame, um die es geht, ist nicht mehr aktiv. Die Adresse gibt es zwar noch, doch haben sich die Verhältnisse verändert. Nichts ist so wie es war- aber wie es war ist es.
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Möhrchen


Na ja, eigentlich paßt Möhrchen nicht so richtig. Es hat sich so ergeben.
Paula klingt besser und paßt auch besser. PAULA : das ist klar, einfach und doch raffiniert – schlicht katholisch ! Zumal wenn es sich um einen nom de guerre handelt. Paula ist der richtige Name, wenn das Leben eine neue, entscheidende Wende bekommt. Die Wahl zeugt von Intelligenz und – noch seltener: Witz.
Paula ist auch passender als der wahre Name : Jasmin . Das riecht mittlerweile altbacken, nach dem was man in den 70igern in D-Land für Weltoffenheit hielt. So kamen dann all die Jasmins, Carmens, Nicoles unter die Menschheit, so wie ihre männlichen Pendants, die Kevins, Svens und Konsorten.
PAULA IST OKAY !
Möhrchen verunklart die Situation wieder. Aber was hätte den sonst gepaßt ? So machte also Jasmin sich zur Paula und ich diese – zumindest teilweise – zum Möhrchen.

Angefangen hat es im schönen, langen, heißen Sommer 2003. Von dem ich da noch nicht wußte, daß er schön, lang und heiß werden sollte ( „Jahrhundertsommer“ verkündeten dann die Propheten im Herbst ).
Schon lange vorher waren mir die engen, versifften und dunklen Häuser im Oberzentrum Rhein/Main auf „de Nüss“ gegangen. Was in diesem Zusammenhang schon mal suboptimal ist. Die Insassinnen dieser traurigen Etablissements haben ihr Auftreten kongenial auf die Umgebung abgestimmt. Die allgemeine Einstellung scheint zu sein „Titten raus und Arsch in die Umlaufbahn halten - dann bleibt schon wer hängen“. Höhepunkt der verbalen Anmache ist „Na ? ... magst Du mal zu mir kommen ?“. Das ist zwar besser als „Hallo ! eine Frage“, läßt aber Bilder aus versunkenen Zeiten hochsteigen. Was fehlt ist nur der Bratkartoffelduft ( der eine deutliche olfaktorische Verbesserung wäre ).
Und dann erreichte auch noch die Abzocke Ausmaße die nicht mehr erträglich waren. Nachkobern wurde zur Regel und die vereinbarte Gegenleistung erfolgte ungefähr so, wie ein Fischhändler den Aal ins Papier wickelt.
Als krönender Abschluß wurde dann noch recht häufig die Arie von der unfreundlichen, unsauberen, muffigen und zahlungsunwilligen Kundschaft gesungen – frei zur Melodie „Frauen im Glashaus“ .
Kurz: Dienstleistungsgewerbe in Deutschland !
Außerdem hasse ich Treppensteigen seit je und seit einiger Zeit bin ich nach 20 Stufen so aus der Puste, daß ich erst mal eine halbe Stunde Erholung brauche.
So versuchte ich, diskrete Adressen außerhalb des Mißvergnügungsviertels zu finden. Dies gestaltete sich recht schwierig. Und wenn ich mal etwas fand, war es auch nicht viel besser; weder vom Ambiente, noch vom Service.
Die rettende Idee lieferte eine Boulevard-Affäre. Hotelservice ! Warum nicht ?
Es traf sich da gut, daß ich wieder öfters in meiner Heimatstadt war und dort grade ein neueröffnetes *****Hotel mit Kampfpreisen in den Markt drängte. Die Adressen fanden sich im Internet und die Erfahrungen waren ... Nun, ich kann Michel F. aus F. voll verstehen ( zumindest was diesen speziellen Teil seiner Aktivitäten anbelangt ). Es erfüllte nicht nur die Erwartungen; es übertraf sie in der Regel.
So weit, so gut. Nun war ich beim surfen über eine Adresse gestolpert, die keine Haus-/Hotelbesuche im Programm hatte, deren Fotos jedoch zum Teil mein Interesse weckten.

Hallo und willkommen bei Mary Schimmel´s Room-Sharing in Köln - Rudolfplatz
Mary Schimmel garantiert einen guten Service und klimatisierte Zimmer und das am Rudolfplatz im Herzen von Köln. Für Euer Wohl steht Euch ein nettes und privates Girlteam zur Verfügung, welches sich Euer Wohlbefinden zur Aufgabe gemacht hat. Hier könnt Ihr Eure geheimsten Wünsche erleben und das meinen wir Girls auch so. Unser Girlteam besteht aus 10 Mädels. Abwechselnd sind wir für Euch da, sodas Ihr immer den besten Service rund um Euer Wohlbefinden erhaltet. Hier findet Ihr die unterschiedlichsten Typen an Girls, sodas für jeden Geschmack etwas dabei ist. Parkplatzprobleme ? Gibt es nicht, da schräg gegenüber das Parkhaus der Stadtsparkasse ist.
Erreichen können Sie uns von Montag-Freitag 9-17 Uhr mit 4 Mädels, danach ab 17-23 Uhr sind wieder andere Mädels da, samstags und Feiertag von 10-18 Uhr ebenfalls immer mit 4 Mädels. SONNTAGS GESCHLOSSEN.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, vielleicht bis bald?????

Ich erinnerte mich bei der Lektüre an die längst verflossenen Tage, als dergleichen im EXPRESS schamhaft als „Fotomodell“ oder „Masseuse“ inseriert wurde – ironiefrei unter „Vermischtes“ ( hübsch war auch „Aufgeschlossene Dame erwartet den potenten Herrn“ ). Gut, aus dem Einführungstext von Mary Schimmel´s Room-Sharing geht zwar auch nicht hervor für welches Wohl das private Girlteam zur Verfügung steht. Aber ob seinerzeit ernsthaft jemand bei „Fotomodellen“ ans Aufnehmen gedacht hat ? Jedenfalls nicht, wenn er im Deutschunterricht gelernt hat, daß Texte immer in ihrem Kontext zu interpretieren sind. Und über den konnte es bei der Internetseite deutlich weniger Zweifel geben, als bei den Vermischten der schnellen Zeitung vom Rhein. Abgesehen davon ist eine Interpretation immer von den Vorstellungen des Interpreten geleitet, gell ?
Auch dem Texter/der Texterin von Mary Schimmel´s Room-Sharing wäre vielleicht eine intensivere Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache zu empfehlen. Erlebt man seine geheimsten Wünsche zunächst nicht immer selbst ? Ist es nicht eher die Erfüllung der geheimsten Wünsche bei denen andere bisweilen gebraucht werden ? Und sind sie dann noch die „geheimsten“ ? Und 3x „Mädels“ in einem Satz ? Mein Deutschlehrer hätte gejault ( so wie ich dann bei der Benotung ). Aber Vorsicht ! In Deutsch bin ich nicht staatlich lizensiert und folglich inkompetent.
Als ordentlich diplomierter Betriebswirt allerdings war und bin ich beeindruckt von dem ausgefeilten Schichtsystem bei Mary Schimmel´s Room-Sharing. Diese Form der Rotation gereicht Bayern München zur Ehre. Von einer vorbildlichen Kundenorientierung zeugt das Eingehen auf das Parkplatzproblem, das in der Gegend grade bei Ortsunkundigen für einen rapiden Abfall der Libidokurve sorgen kann. Geradezu genial aber ist es, in den Lösungsvorschlag einen dezenten, aber doch deutlichen Hinweis auf die Stadtsparkasse einzubauen. Damit wäre en passant die Frage nach den Refinanzierungsmöglichkeiten geklärt. Das der Hinweis auf den allfälligen Ruhetag abgesetzt und in Versalien erfolgt verstärkt den Eindruck, daß es sich um ein ordentlich geführtes Unternehmen handelt.
Ich beschloß eine Betriebsbesichtigung. Zunächst führte ich ( gelernt ist gelernt ) ein intensiveres Internetresearch durch und schaute mir zur Einstimmung die Seiten der einzelnen Mitglieder des Girlteams an. Unter den damaligen Teammitgliedern stellte sich eines wie folgt vor:

Ich bin Paula, 24 J. alt, 170cm gross, Kf. 36, OW 80C, teilrasiert und vielseitig.
Ich bin Mo., Di., Mi. von 9 bis 17 Uhr und Sa. von 10 bis 18 Uhr für Dich da.


Die OW und die darunter ( unter dem Text, nicht unter der OW ) befindlichen Fotos erregten nicht nur mein Interesse. Also sah ich mir den Service näher an.

Mein Service:
französisch ohne französisch beidseitig spanisch Körperbesamung NS:aktiv u. passiv
erotische Massagen Anal- u. Hodenmassagen Fußerotik Intimrasur leichte Erziehung
Rollenspiele Lesbenspiele Dildospiele Striptease küssen

Nun; „leichte Erziehung“ stimmte mich skeptisch. Aber andere Mütter hatten nach dem ersten Anschein auch schöne Töchter, von denen ein paar beschlossen hatten, sich den freien Kräften des Marktes als (Sub) Unternehmerinnen unter dem Label von Mary Schimmel zu stellen.
An einem der schönen heißen Sommertage lustwandelte ich also Richtung Rudolfplatz.

Die ältere Dame, die die Tür öffnete, war , wie ich später erfuhr, die ... Managerin ( wirklich ein ordentlich geführtes Unternehmen ). Etwas unwohl fühlte ich mich in dem Raum, in den sie mich führte. Es sah stark nach „leichte Erziehung“ aus. Die Gerätschaften ließen teils ungute Erinnerungen an den Sportunterricht unseligen Angedenkens hochkommen ( „Bockspringen“ ), teils an Transporteinrichtungen für Schweinehälften. Meine unfrohen Assoziationsketten wurden unterbrochen von der Vorstellungsrunde des anwesenden Girlteams.
„Hallo, ich bin die Sandra“, „Hallo, ich bin die Silke, „ Hallo, ich bin die Paula“, „Hallo, ich bin die Nicole“, „Hallo, ich bin die Alice“. Da ich mich als höflicher Mensch selbst vorstellte, kannte ich zum Schluß meinen Namen recht gut, nicht mehr aber unbedingt den des ersten Mädels. Was auch daran gelegen haben kann, daß meine Aufmerksamkeit anderweitig stark beansprucht wurde. Alice erlöste mich aus meinen leicht wirren Gedanken, indem sie diese in eine mehr kaufmännische Richtung lenkte. Sozusagen von den physischen Kurven zur altbekannten, altbewährten Preis/Leistungskurve. Nachdem diesbezüglich Klarheit herrschte, kam die Frage aller Fragen: „Mit wem...“. P A U L A echote Pawlows Hund in mir und ich blieb überrascht im Turnzimmer zurück ( „Warum jetzt doch Paula ? In der Vorauswahl war doch eigentlich ...... was ist in den 5 Sekunden jetzt schon wieder passiert, was ich nicht mitbekommen habe ? Und wie komme ich aus diesem schrecklichen Zim...“ ).
Paula brachte mich dann in ein zwar kleines, aber wesentlich schöneres Zimmer ( wobei ich auch die Wäschekammer schöner gefunden hätte ).
Warum Paula ? Die Figur entsprach aufs schönste den Fotos. Aber wie gesagt: von der Figur her.....
Es war ihr Gesicht. Es war anders. Nicht so puppenhaft. Nicht einbalsamiert. Das Gesicht drückte eine gewisse Wachheit aus, auf der Grenze zwischen Weichheit und Härte balancierend. Die zarten Andeutungen von Rillen auf der Stirn ( irgendwann werden es Falten ) deutete ich als Ergebnis von gelegentlichen Denkversuchen; was bei Frauen erfahrungsgemäß reizvoll ist.
Und dann der Blick. Sie muß mich schon bei der Vorstellung so taxiert haben ( nicht der „Die-Gardinen-sind-interessant-Blick“ oder der „Dort-in-der-Ferne-leuchtet-ein-Licht-Blick“). Ein Kontrollblick ohne Kälte. Dabei weiß ich bis jetzt ihre Augenfarbe nicht ( ein Indiz dafür das Grün drin sein muß ).
Meine leichten Beschwerden über den Geräteraum konterte sie mit einem „dort passieren aber lustige Dinge“. Damit war das Thema auch erledigt ( im Gegensatz zu meinem Unwohlsein, wenn ich bisweilen dort zwischengelagert werde ).
Nach den üblichen Präliminarien ( „In Bad und WC ist alles okay.“ ) und der Abklärung meiner Vorlieben und Empfindlichkeiten konnten wir endlich in eine entspannendere Lage und ich mich der Entdeckung und Bewunderung ihres Leibes hingeben.

„Des Weibes Leib ist ein Gedicht, /
Das Gott der Herr geschrieben /
Ins große Stammbuch der Natur, /
Als ihn der Geist getrieben.“

Wohl wahr und für einen Düsseldorfer nicht schlecht beobachtet - und ganz nett formuliert. Nach dem lyrischen Teil gab es dann die Prosa des Lebens. Und Paula war ......
Ihr Körper hat mich seit dem immer wieder fasziniert ( allerdings: 80C ist wohl Marketing, so wie einige andere Daten wohl auch ). Nicht perfekt-statuenhaft, sondern weiblich-schön. Besonders wenn sie auf der Seite liegt und ein Knie anwinkelt: dann bildet sich eine entzückend geschwungene Linie von Schulter über Rumpf, Taille und Hüfte bis zur Wade.
Aber es scheint auch, daß sie ihren Kopf nicht nur zur Befestigung der Haare benötigt und das sie Humor hat, und zwar richtigen Humor. Beispielsweise zeugt die Geschichte von der Entstehung ihres PART-Tatoos von beidem - „Si non e vero, e ben trovato“. Daneben illustriert sie auch, daß Madame ihren eigenen Kopf haben, diesen durchzusetzen gedenken und – was bei ihrem holden Geschlecht nicht so selbstverständlich ist – bereit ist, kalkuliert ein Risiko einzugehen. Ich war beeindruckt !
Auch von ihren Managementfähigkeiten. Auf die Idee, eine Statistik darüber zu führen, ob die neuen Internet-Fotos eine Auswirkung auf die Kundenfrequenz haben, würden von ihren Kolleginnen wohl nur die wenigsten kommen. Leider hat sie die Absicht bekundet, ihre gesammelten Kenntnisse für eine selbständige Tätigkeit zu nutzen. Und zwar, wenn ich recht verstanden habe, für eine Tätigkeit, bei der ihr eine weniger kundennahe Rolle zukommen würde. Dies würde ich aus mehr als einem Grund bedauern.

Ach ja ! Möhrchen. Irgendwann nannte sie mich Hase. Und „Rübe“ paßt wirklich noch weniger.