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Vollständige Version anzeigen : Begrenzte Toleranz


Bloßeinbesucher
12.09.11, 12:03
Die Straßenprostitution weicht nach Frankfurt aus, wie die FAZ berichtet:

http://www.faz.net/artikel/C30214/frankfurt-stadt-will-strassenstrich-staerker-kontrollieren-30684875.html

Lucy
12.09.11, 12:17
wie verzweifelt müssen diese frauen sein..

lg lucy

Ariane
12.09.11, 16:15
Danke BeB für die Meldung in diesem Board.
Zum Thema Strassenstrich gäbe es eine Menge zu sagen; nur soviel, es gibt zwei gängige Reaktionen: die kurzfristige Erweiterung der Sperrbezirkszone (die Stadt Dortmund hat kürzlich die Stadt zur Sperrbezirkszone erklärt und den Strassenstrich offiziell abgeschafft, andere Kommunen in NRW tragen sich mit dem gleichen Gedanken) oder man wird über das Baurecht aktiv, wie in den letzten Jahren in Berlin, um Bordellschliessungen in Wohn-/Mischgebieten zu verfügen, eine kurzfristig "flexible Lösung" finden. Womit das Problem nicht gelöst ist. Auch die EU-Gelder, die bspw. für die Integrationspolitik der Roma bspw. in Rumänien ausgegeben werden, versanden dort an anderer Stelle, nämlich im korrupten Staatsapparat und kommt in keinster Weise den Lebensbedingungen der Menschen zugute, die sie zur Migration antreibt. Die Männer, die hinter den Frauen meist stehen, sind oft die eigenen Ehepartner, Freunde und Familienangehörige, die mitziehen, allerdings ohne Arbeitserlaubnis hier und ohne Arbeit bspw. in Rumänien, denen aus Armutsgründen kaum ein anderer Ausweg bleibt, als der Prostitution als Selbständige nachzugehen, da sie nach Gesetzeslage und Freizügigkeitsregelungen nur als Selbständige arbeiten dürfen, um daraus ihren Aufenthalt und Einkommen zu bestreiten. Die fehlenden Sprachkenntnisse, teils Analphabetentum, kaum bis kein Wissen über Sicherheit und Gesundheit, Krankheitsrisiken macht die Arbeit für die vielen sprachlosen Anbieterinnen sehr riskant.

Erstaunlich ist, wie über die Misstände in den gängigen Medien üblicherweise mit Bezug auf die SDLs berichtet wird, kaum aber über die Kunden, die dieses Angebot doch offenbar massenhaft suchen, was man auch derzeit in Dortmund beobachten kann, sind massenhaft rumkurvende Strassenstrich-Kunden, die die Stadt durchforsten, auf der Suche nach den "verbannten" Frauen. Es scheint, wie überall, eine enorme Nachfrage nach SDLs am Strassenstrich zu geben.
Prostitutionspolitik lässt sich von Migrationspolitik nicht trennen, dieser Herausforderung wird m.W. nach kaum mit der entschiedenen Analyse und Sorgfalt begegnet, die diesem Problem gebührt. Natürlich kann man die "sichtbare" Prostitution verbannen, die sich dann in andere Städte verlagert oder in den kaum kontrollierbaren Untergrund, sprich, dorthin finden keine Beratungsstellen, Streetworker, Gesundheitsberatung Zugang. Geschweige, dass es die sozialen Probleme löst, die damit verbunden sind, für die Anwohner sowie für die Menschen, die sich in ihren bitterarmen Heimatländern zur Wanderschaft gezwungen sehen. Was die Roma betrifft: sie haben streng genommen keine Heimat, im Sinne einer positiven Zugehörigkeit und Identifikation, da sie in fast allen osteuropäischen Ländern nicht als "Menschen" und Bürger betrachtet werden, weshalb regelmässig Jagd auf sie gemacht wird, die Politik vor Ort, kommunal oder von Regierungsseite sieht sich nicht zuständig oder unterstützt gar diese Form der gewaltsamen Vertreibung und lässt diesen Teil der Bevölkerung kaum Schutz angedeihen; im Gegenteil nutzen populistische Politiker und rechtsradikale Parteien die Roma, um Politik zu machen. Ähnliches gilt für Österreich, wo sich wie in Ungarn Bürgerwehren gebildet haben, die die Roma als vogelfrei betrachten, vertreiben, gelegentlich totschlagen.


Die erwähnten "günstigen" Preise sind übrigens nicht strassenstrich-spezifisch, sondern auch in anderen Bereichen des P6-Gewerbes in Deutschland seit Jahren gang und gäbe, ob Bordell oder Privatmodell-Wohnungen und wird von selbständigen Anbieterinnen teils offensiv beworben mit der Überschrift "Geiz ist geil". 30-35€ 20 Minuten Vorspiel, Verkehr ist Berliner Durchschnitt, H/H Agenturen verschachern schon seit Jahren gelistete Frauen zu "Schnäppchenpreisen", üblich sind auch hier unter den Anbieterinnen mangelnde Sprachkenntnisse. In vielen Hinterhofwohnungen empfangen Frauen "viel" Besuch, insbesondere wenn sie AO auf ihrer Angebotsliste führen, dafür kaum Sprachkenntnisse haben und nicht die Krankheits- und sonstige Risiken kennen. Die Unwissenheit von Nachfrageseite wird auch gerne ausgenutzt. Die Unwissenheit von Neueinsteigerinnen und sog. Amateuren hat offenbar eine hohe Anziehungskraft in allen P6-Segmenten.


schönen Tag noch!
ariane

MC
12.09.11, 17:56
Wer es nicht weiß, musste es auch zuerst googlen, SDL = Sexuelle Dienstleistungen.
Da du Rumänien erwähnst Ariane, ist der überwiegende Teil der Straßendamen nicht eher aus Ungarn?

Ariane
12.09.11, 19:40
Lieber MC;
soweit mir bekannt, ist der aktuelle Zuwachs von Frauen am Strassenstrich, ob zuvor Dortmund und andere Städte in NRW, hauptsächlich von Frauen aus Bulgarien und Rumänien zu verzeichnen. Aus dem FAZ Artikel geht dies nicht hervor.
Ungarinnen sind in Deutschland vornehmlich in Terminwohnungen und teils daran angekoppelte H/H Agenturen buchbar, in der Schweiz und Österreich zunehmend auch am Strassenstrich. Auch viele männliche Stricher aus Ungarn, die keinesfalls alle homosexuell sind, sondern ihre Dienste häufig an ebenfalls nicht homosexuelle Kunden verkaufen.
Sehr viele Frauen, ob aus Bulgarien, Rumänien oder Ungarn, sind Roma-Frauen, daher sprach ich es oben an. In ihren Herkunftsländern droht ihnen die gesellschaftliche Ächtung der Prostitution nachzugehen, da sie dort illegal ist. Dies gilt übrigens für alle osteuropäischen Ländern. Damit sind sie, auch jene, die unter Vortäuschung falscher Tatsachen ins Gewerbe eingestiegen sind und mit anderen Jobs geködert wurden, quasi vogelfrei, da sie sich üblicherweise gegenüber ihrer Familie nicht outen können bzw. von jenen, die gewisse Kontakte hergestellt haben, abhängig sind und damit leichter erpressbar. Viele wissen nichts von aufsuchender Beratung, viele werkeln im geheimen, es gibt auch zu wenig Dolmetscherinnen vor Ort bzw. sind sämtliche Beratungsstellen im Verhältnis zum Beratungsbedarf unterfinanziert. Und die internationale Helferindustrie, die sich um Akteure wie die Glaubensschwester Lea Ackermann des Hilfevereins Solwodi, aber auch Prostitutionsgegner wie Alice Schwarzer oder die European Women Lobby schart, verfolgen jeweils ihre eigenen Interessen: nämlich Prostitution pauschal zu verdammen und sämtlichen Anbieterinnen im P6 den freien Willen abzusprechen und damit die freie Entscheidung, in diesem Gewerbe zu werkeln. Dabei gibt es am Strassenstrich eine ausgesprochen hohe Zahl von selbständigen Sexworkern, ob Ausländerinnen oder Deutsche, die nach Kosten/Nutzen Kalkül entschieden haben, mit P6 Geld zu verdienen und gerade keine andere Partei mitverdienen zu lassen. Für viele Frauen ist der Strassenstrich aus ihrer Sicht sogar die freieste Form, diese Tätigkeit auszuüben, während die Aussenwelt in ihnen nur Opfer sehen wollen. Sie wollen einfach ihr täglich Brot verdienen, wie andere Anbieter und Anbieterinnen im P6 eben auch. Also muss man vernünftige Regelungen finden, die sie schützen und nicht zu Opfern machen. Dazu reicht aber keine lancierten Skandale um Flatrate-Bordelle oder Steuertickets, der Forderung von Kameraüberwachung am Strassenstrich im Zuge von Wahlkampfgetöse, sondern eine vorausschauende und intelligente Politik, die all die verschiedenen Ursachen sozio-ökonomischer Art, Migrationspolitik in Augenschein nimmt und Lösungen grenzüberschreitend sucht.

Dennis
12.09.11, 20:29
@ Ariane

Roma (Frauen) gehören nicht nur einer geächteten Minderheit an sondern sind auch z.b. in Rumänien und zunehmend auch Ungarn an der Teilhabe vom gesellschaftlichen Leben i.e. einer Arbeit nachgehen zu können - dürfen ausgeschlossen.

Also muss man vernünftige Regelungen finden, die sie schützen und nicht zu Opfern machen. Dazu reicht aber keine lancierten Skandale um Flatrate-Bordelle oder Steuertickets, der Forderung von Kameraüberwachung am Strassenstrich im Zuge von Wahlkampfgetöse, sondern eine vorausschauende und intelligente Politik, die all die verschiedenen Ursachen sozio-ökonomischer Art, Migrationspolitik in Augenschein nimmt und Lösungen grenzüberschreitend sucht.

du gestattest mir ein :lol . . . dazu brauchts "vorausschauende und intelligente Politiker" Siehst du welche - genügend die nicht nur wissen wovon sie reden sondern die auch solche Entscheidungen herbeizuführen und umzusetzen in der Lage sind? Ich nicht . . . .

mfg kassandra

Ariane
12.09.11, 22:33
Ja Dennis, aber die Beschwerde nützt niemandem. Das sage ich nur deinem süffisanten, sarkastischen Tonfall geschuldet. Und, was folgt? Kannst du dazu etwas konstruktives beitragen? Ich tue es, wenn auch mit beschränkten Mitteln und nicht als "Ariane". Ich kann hier im öffentlichen Raum erst einmal nur Fakten mitteilen und Wünsche äussern, so als kleines Escort-Mäuslein und politisch interessierter Mensch.
Der Mehrheit der deutschen Bevölkerung ist das Schicksal der Roma und generell Strassenstrichler, P6ler, High-Low-Class-Werkeler herzlich egal, weil sie angeblich alle "stinken", Abzocke betreiben und sonst was. Das hindert aber viele Familienväter, Ehe- oder Single-Männer offenbar nicht, genau diese Frauen aufzusuchen und AO einzufordern bzw. sie wie Untermenschen zu behandeln, Hauptsache der Vorgarten ist korrekt gestutzt und nach der unvermeintlichen Triebabfuhr ist am nächsten Tag alles vergessen und es wird mal schnell eine Baurechtsverordnung oder Sperrbezirkserweiterung unterschrieben; als Ministranten in den jeweiligen LKA's, die von Grossbordell-Betreibern geschmiert sind oder sonst ihre speichelfliessende Ortsvereins-Karriere auf ein höheres Level heben müssen.

@EC; du suchst aber auch bei jedem nicht weltbewegenden Anlass einen Grund, einen Haken zu machen, selbst wenn Dennis und ich Verbündete sind :lach: bleibt dir das verborgen. Im übrigen nervt deine Werbung, die du uns in Sach- und Ferienthemen unterjubelst nur. Du erinnerst im Hinblick auf Escort-Coaching an die vielen Kundenberater, die ihren Kunden Giftpapiere unterjubeln wollen.

Dennis
13.09.11, 00:58
@ariane

meine "süffisanz" wie du es bezeichnest, bezieht sich auschließlich auf unsere derzeitigen politiker. keiner von ihnen ist vorausschauend noch intelligent im sinne von sozialer kompetenz. einige sind dummköpfe andere erbärmliche karrieristen. der rest hilflos verwirrte die keine ahnung von gar nichts aber eine meinung zu allem habe. ja das ist plakativ und möglicherweise sogar vorurteilsbehaftet.

du fragst "ob oder was" ich tue damit sich etwas ändert? das was in meiner macht - mit meinen mitteln bzw mir in meiner derzetigen situation möglich ist.