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Ich habe mit meiner Gesundheit bezahlt


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Liebe Leute, ich wünsche euch ein gesundes und hoffentlich schönes neues Jahr. Passt auf euch auf. Ich hab nicht auf mich aufgepasst. Herausgekommen ist eine Frührente mit 57, da ich aufgrund folgender Erfahrungen dissoziiert habe, Schizophrenie. Das tolle daran ist, dass ich viel Zeit habe und endlich meiner wahren Berufung folgen kann, nämlich Bücher und Essays schreiben, wenn ich stabil bin, was die meiste Zeit der Fall ist.

 

Ich möchte mal kurz darstellen, wie sich 20 Jahre Kampf für die Rechte von Sexarbeiter:innen (ja böses Wort) auf meine Seele ausgewirkt haben und warum ich dieses Engagement unter den jetzigen Bedingungen keiner Sexarbeiterin empfehlen möchte. Ich möchte euch aber folgenden Blog Beitrag empfehlen, der nur kurze Zeit online steht, aus Selbstschutz. Ich möchte, dass ihr versteht, dass ich ein sehr differenziertes Weltbild habe, dass ich persönlich meine Zeit in der Sexarbeit als eine der besten Lebensphasen wahrgenommen habe, dass ich Betreiber:innen in der Sexindustrie nicht pauschal verurteile, da ich die wahren Täter kennengelernt habe, dass ich meine Kunden nie verachtet habe, denen ich mit Zartheit begegnet bin. Ich möchte nur loswerden, welchen langen Kampf ich in einem entsetzlich toxischen Umfeld geführt habe und letztendlich dafür einen hohen Preis, meine Gesundheit, zahlen musste. Lange Rede kurzer Sinn. Hier ist der verlinkte Beitrag, den ich euch ans Herz lege, um zu verstehen, warum die Interessenpolitik zugunsten marginalisierter Menschen in den letzten Jahrzehnten erfolglos geblieben ist. Ich sehe auch keinerlei Bemühungen, auf rechtlichem Wege z.B. die Registrierungspflicht und die Sperrbezirksverordnungen zu kippen. Ich sehe nur Leute, die sich mit sich selbst beschäftigen.

A.

 

https://futurevibes.substack.com/p/zwischen-szene-und-schweigen

Edited by Ariane
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Ihr seid lieb, danke dafür. Solange ich lebe, werde ich mich nicht unterkriegen lassen. Ansonsten macht euch keine Sorgen, mir gehts gut dank bunter Pillen und viel Ruhe. Ich hab den Beitrag nochmal für 2 Tage aufgeschaltet. Um Kontext zu liefern.

Edited by Ariane
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  • 4 weeks later...

Eine m.E. durchaus zutreffende Bestandsaufnahme zum Ist-Zustand über den gesamten P6 Bereich.

Man denkt dann beim Lesen "Aber was denn nun tun?". Da machst Du zum Ende hin auch Vorschläge, und bei diesen möchte ich ansetzen (meine Anmerkungen sind eingefügt). Im Ergebnis bleibe jedenfalls ich weiterhin überwiegend ratlos ... 😞

"Das bedeutet konkret:

  • Verzicht auf bürokratische Zwangsmaßnahmen wie Anmeldepflichten, die vulnerable Frauen ausschließen Kann ich zustimmen, insbesondere bezüglich des letztgenannten Aspekts.

  • Strenge und durchsetzbare Regeln gegen ausbeuterische Strukturen (Schuldenfallen, Passentzug, Loverboy-Methoden) Hier wird es dann allerdings in der Praxis m.E. problematisch. Um hier gerichtsfest etwas nachweisen und ggf. verfolgen zu können, braucht es die aktive Mitwirkung betroffener Frauen. Leider kaum zu erreichen, aus diversen Gründen. Das ist also keine Frage neuer/zusätzlicher Regeln, sondern der Durchsetzbarkeit bereits bestehender Regeln.

  • Massive Investitionen in realistische Ausstiegsprogramme Vermutlich nicht nur schwer zu finanzieren, sondern auch schwer Mißbrauch (und zwar seitens Ausbeuter und/oder Frauen) zu minimieren. Klassiker könnte werden: Zuhälter läßt Frau im Ausstiegsprogramm weiter anschaffen und kassiert die "Ausstiegshilfe" selbst

  • Legale, sichere Migrationswege als wirksamste Prävention von Zwangsprostitution Sehe ich persönlich anders, weil falsch ansetzend. Beispielsweise viele osteuropäische Frauen, meist zudem bildungsfern, werden in Anhängigkeitsverhältnisse gebracht. Obwohl für sie die EU Freizügigkeit, also "sicherer Migrationsweg", existiert.

  • Ehrliche gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Nachfrage, statt deren weiterer Tabuisierung Absolut einverstanden. Wird aber vermutlich durch lautstarke Bigotterie aus diversen Ecken verunmöglicht.

  • Schutz der Meinungsfreiheit auch für kritische Stimmen innerhalb der Szene Absolut einverstanden, diesmal ohne irgendwelche Bedenken etc."

  • Agreement 4
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  • 3 weeks later...
Posted (edited)

Ich bin seit letztem Jahr im (Un-) Ruhestand und kann auf ein Werk zurückblicken. Nein, Schwänze lutschen gehörte nicht dazu - trotz mehrfacher Auszeichnung in Freierkreisen, aber meine liebenswürdigen wenigen Stammkunden haben geholfen, ein unabhängiger Geist zu bleiben. Danke.

Ich mach jetzt auch in Musik: dies ist mein neuer Song in Referenz an das Rotlicht 2001-2011, das mich besessen hat.

https://suno.com/s/QLZPEGRqK0uX9HXh

Edited by Ariane
  • Informative 1
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  • 2 months later...

Eine kurze Note für jene, die mich noch kennen. Macht euch keine Sorgen, ich bin zufrieden, obwohl ich Berlin hasse und hier weg will. Hab aber nicht die Mittel und Möglichkeiten wegzuziehen. Spiele schon Lotto aus Verzweiflung. Ich möchte euch nur mitteilen, dass ich bleibe und ab und zu hier was poste: der neueste Fortschritt - zwei Wochen Zahnschmerzen überlebt, eine anstehende Bücherlesung in Berlin und ich schreibe exklusiv als Journalistin und freie Autorin für die Berliner Zeitung, meiner Lieblings-Tageszeitung. Besser gehts nicht. Auch gibts was Neues auf die Ohren. 

Textwelten 

https://www.berliner-zeitung.de/autoren/martyra-peng-10032646

https://futurevibes.substack.com/

 

Klangwelten zur Entspannung gibts hier https://suno.com/@martyrapeng

 

Ich wünsche euch einen schönen Sommer!

Ariane, die mit dem Vibe

https://martyrapeng.com/

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Das ist ein wirklich bewegendes Zeugnis, das du da teilst. Der Kampf für die Rechte von Sexarbeiter:innen ist ein extrem komplexes Thema, besonders wenn man hinter die üblichen legislativen Debatten blickt. Historisch gesehen wird oft vergessen, dass rechtliche Rahmenbedingungen wie das Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) zwar mit einer Regulierungsabsicht geschaffen wurden, in der Praxis aber oft zu Instrumenten bürokratischer Stigmatisierung werden. Die Registrierungspflicht ist ein klassisches Beispiel für ein "Panoptikum": Man macht Menschen sichtbar, um sie besser kontrollieren zu können, was paradoxerweise ihre tatsächliche Sicherheit schwächt. Es wird viel über Paragrafen geredet, aber viel zu wenig über die psychische Abnutzung, die es bedeutet, die Stimme einer marginalisierten Gruppe gegenüber Strukturen zu erheben, die sich weigern, dazuzulernen. Pass gut auf dich und dein Schreiben auf – oft ist das der beste Weg, um diese jahrelangen Kämpfe in etwas Bleibendes zu verwandeln.

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