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"Ich bezahle für Sex"


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Die Leseprobe hat mir schon mal gut gefallen.

 

Der Stoff ist Balsam auf meine Wunden.... staerkt mein unterentwickeltes Ego... laesst mein MInderwertigkeitsgefuehl verblassen...

 

" Seine Wahl fällt auf Carla, eine Edelnutte in einem Luxusbordell. 120 Dollar kostet die halbe Stunde, 200 die ganze. Sie ist hinreißend. So eine Frau hätte er als Freundin nie bekommen. Der Sex dauert ganze zehn Sekunden - länger hält er nicht durch. "

 

... da bin ich mit meinen 3 Minuten ein echter Marathonvoegler! :blinken:

  • Thanks 4

"Sex ist sehr unkompliziert, wenn man von keinem Komplex, sondern von einem Bedürfnis geleitet wird."

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" Seine Wahl fällt auf Carla, eine Edelnutte in einem Luxusbordell. 120 Dollar kostet die halbe Stunde, 200 die ganze. Sie ist hinreißend. So eine Frau hätte er als Freundin nie bekommen. "

Aha. Man lernt nie aus.... Gut, dass es bei uns nur Luxusbordelle gibt....

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  • 2 months later...

Chester Brown, Ich bezahle für Sex. Aufzeichnungen eines Freiers, Walde+Graf 2012

 

book_cover_970_ChesterBrown_Cover_648.jpg

 

Verlag-Link:

http://www.waldegraf.ch/bucher/ich-bezahle-fr-sex-aufzeichnungen-eines-freiers

 

Wow, was für ein Buch! „Bekenntnisse einer Hure/Studentin...“ gibt es mittlerweile eine ganze Reihe, lustvoll geschrieben und einführend in die schillernde bis abgründige Welt der geheimen Lüste. Aber Paysex aus der Sicht des Freiers, selbstbewusst und schonungslos beschrieben, öffentlich und unter berühmem Klarnamen, nicht nur als Insiderdiskussion in anonymen Internetforen – das hat eine neue Qualität. Chester Brown hat sich geoutet, auf seine Weise, als preisgekrönter Comic-Autor mit seinem unverwechselbaren Zeichenstil.

 

Man muss Chester als Typ nicht unbedingt mögen. Ein introvertierter, intellektueller Mensch. Sein gezeichnetes Selbstbild ist ein hagerer, glatzköpfiger Mann mit scharfen Gesichtszügen und Nickelbrille. Sein Mund ist lediglich ein Schlitz. Die gezeichnete Figur zeigt kein Gefühl, keine Leidenschaft. Chester kann nicht streiten, er beschreibt nüchtern. Auch in seinen realen Interviews ist es bei Chester Brown nicht unbedingt ein übermäßiger Esprit, der rüberkommt. Was beeindruckt, ist seine Authentizität, Ehrlichkeit und unprätentiöse Klugheit.

 

„Ich bezahle für Sex“ hat als Buch keinen Plot. Es erzählt Einzelepisoden in der zeichnerisch und dialogisch denkbar knappsten Form – doch so, dass jede Szene, jedes einzelne Bild eine ganze Geschichte ausbreitet. Wie er das schafft, ist das Geheimnis des Zeichners. Es gibt keinerlei Mimik, oft nicht einmal Gesichter. Doch die Gefühle, die Atmosphären sind jederzeit glasklar. Man versteht unmittelbar.

 

Was die einzelnen Episoden zusammenhält, ist der biographische Zusammenhang des Protagonisten/Autors. So gesehen ist das Buch ein Entwicklungsroman eines Mannes, der sich aus einer Liebesbeziehung verabschiedet, den Paysex „notgedrungen“ kennenlernt und aus diesen Erfahrungen heraus für sich selbst ein Modell für ein gutes, kommunikatives, liebevolles und sexuell befriedigtes Leben entwickelt – bis hin zu einer allgemeinen Utopie einer Beziehungsform jenseits der „romantischen Liebe“ für die kommenden Jahrzehnte.

 

Die Hintergrundgeschichte ist wichtig. Chesters Freundin verliebt sich in einen anderen. Der nimmt immer mehr Raum ein, das Herz, das Bett, die Wohnung. Chester verliert seine Freundin als Geliebte und Sexpartnerin. Doch beide verlieren nie ihren freundschaftlich-liebevollen Kontakt zueinander. Chester macht die verblüffende Erfahrung, dass Eifersucht nicht zwangsweise aufkommen muss. Alles was folgt hat die Grundlage: Chester ist frei von einer exklusiven Beziehung, und Chester lässt nie mehr zu, dass ihn die Eifersucht wieder gefangen nimmt.

 

Der Gedanke setzt sich in Chester unausweichlich fest: Sex kann man kaufen – warum sollte ich das nicht tun? Es ist das Jahr 1999, noch das Prä-Internet-Zeitalter. Es ist so mühsam herauszufinden, wie „es“ funktioniert. Wie finde ich jemanden? Was erwartet mich? Kann ich meine Unsicherheit, meine Skrupel überwinden? Welche Gefahren lauern wo? Und Chester lebt in Kanada, wo zu jener Zeit galt: Hausbesuch-Prostitution ist legal; Bordelle und Wohnungen sind verboten, wie auch jede Form von Werbung zur Prostitution.

 

Chesters Schilderungen vieler Dates im Laufe mehrerer Jahre sind köstlich zu Lesen. Wie viele Freier, kann Chester auf ein Tagebuch zurückgreifen. Man schmunzelt über die gezeichneten und beschriebenen Unbeholfenheiten und Glücksmomente, über die Tops und Flops, über Situationskomik und die kleine Tragödien, über „Abzocke“, Verständigungsprobleme, Missverständnisse und Begegnungen, die unter die Haut gehen. Nebenbei entsteht so eine kleine Kulturgeschichte des Paysex über den Zeitraum einiger Jahre. Wie entwickelt sich der „Standardservice“? Wie weit geht das Angebot? Chester beschreibt Safer Sex und die Ausweitungen: Erste Erfahrungen mit Küssen und Französisch Ohne. Man kennt das alles. Wir leben inzwischen mit unseren Vernetzungen und Internetforen. Man schmunzelt, nie aber lacht man über Chester. Eher bleibt einem manchmal fast die Luft weg – wie kann Chester dermaßen präzise zeigen, was ich auch erlebe und denke?

Oder anders ausgedrückt: Wer schon immer mal wissen wollte, was Männer in den Momenten vor und während des Orgasmus denken – Voilà!

 

Ich habe das Buch einen „Entwicklungsroman“ genannt. Chesters Formulierung seines neuen Lebens wird immer präziser. Innere Monologe wechseln mit Dialogen unter Freunden oder eben mit der jeweiligen Frau ab. Es ist eine große Auseinandersetzung – und Abrechnung – mit dem Ideal der „romantischen Liebe“. „Liebe“ und „romantische Liebe“ sind für Chester zwei völlig verschiedene Dinge. Um dies zu erklären, holt der Autor historisch aus und referiert Denis de Rougemonts „Die Liebe und das Abendland“ aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Er hätte auch aktuellere Klassiker wie Niklas Luhmanns „Liebe als Passion“ oder Laura Kipnis „Liebe. Eine Abrechnung“ zitieren können. Das Thema hat Chester nicht neu erfunden. Aber wie er seine Überzeugung dialogisch entwickelt und zuspitzt, ist meisterhaft.

 

Es sind die Sprechblasendialoge, die den Autor nicht minder auszeichnen denn seine Graphik. Sie sind gerade so differenziert, dass man das Gefühl hat, alle Argumente lägen auf dem Tisch. Chesters Freunden kommt häufig die Rolle eines Advocatus Diaboli zu, den Chester doch jedes Mal besiegt. Andererseits sind die Dialoge dermaßen reduziert, dass man kein einziges Wort vermissen möchte, um die argumentative Kraft nicht zu verlieren. Eine in dieser Form selten erlebbare Balance.

 

Was also sind Liebe und Beziehung, die nicht romantisch überhöht sind? Ohne eine Überhöhung, die uns nicht befreit, sondern uns begrenzt und in den meisten Fällen früher oder später enttäuscht und unglücklich macht? Und in welchem Zusammenhang dazu steht der Paysex? Meint „Ich bezahle für Sex“ etwa auch Kosten im übertragenen Sinne? Chester beschreibt eindrücklich das schale Gefühl beim Besuch einer Sexdienstleisterin und den Blues danach. Erfahrungen, die jedoch weder gegen Paysex noch für romantische Liebe sprechen. Schwer zu erklären. Chester versucht es ex negativo: Paysex ist nicht klinisch, nicht kalt. Er erzeugt eher eine temperierte, zufriedene/befriedigte Stimmung, ist eher die Erleichterung, der leidenschaftlichen Romantik und ihren Fallen entkommen zu sein.

 

Bis es Chester selbst trifft. Es kommt, was kommen muss – er verliebt sich in eine Escort-Frau. Eine feine Ironie in dem Buch. Chester muss sich neu sortieren. Er verspürt ein monogames Bedürfnis und romantische Gefühle: „Ich halte romantische Liebe nicht unbedingt für ein Problem, wenn sie außerhalb eines vereinbarten monogamen Rahmens gelebt wird. Wenn ich also nicht gegen romantische Liebe bin, wogegen bin ich? Ich bin gegen ... Monogamie mit Besitzanspruch.“

Chester hat seine Formel gefunden. „Also ist bezahlter Sex kein leeres Erlebnis. Wenn man die richtige Person für Sex bezahlt.“

Chester lebt fortan 6 Jahre auf diese Weise mit Denise, in Liebe und monogam, aber bezahlt...

 

Überzeugt?

Die Freunde von Chester sind es keineswegs. Sie halten Chester „definitiv für einen Sonderling“. Auch das macht den Charme des Buches aus, dass ein Freund Chesters im Anhang selbst zu Wort kommt: „Ich kann nicht widerstehen zu bemerken, dass die Vorstellung, wie Chester und Joe die Natur der romantischen Liebe diskutieren, an zwei Blinde denken lässt, die einen Sonnenuntergang malen.“ Oder: „Das Lustige ist, dass Chester von all den Männern, die ich kenne, höchstwahrscheinlich der rücksichtsvollste Freund oder Ehemann sein würde – und doch ist er es, der sich für Huren entschieden hat. Die Welt ist komisch.“

 

Chester liegt in seiner Persönlichkeit ziemlich offen. Die Anmerkungen im Anhang des Buches bieten dazu eine Reihe von Einblicken. Wer sich in dieser Person ein Stück weit wiederfindet, dem wird die Argumentationslinie um Liebe, Leidenschaft und Ansprüchen vertraut klingen und das Gefühl haben, dass sie hier mustergültig formuliert wurde. Die Suche nach eifersuchtsfreien Beziehungen ohne Besitzanspruch hat Ähnlichkeiten zu der Beziehungsform „Polyamory“. Die noch weitaus ungewöhnlichere Form, die Chester schließlich für sich findet, ist eine quasi monogame Beziehung auf monetärer Basis. Man möchte da natürlich gerne wissen, wie Denise diese Beziehung erlebt. Chester macht einige vorsichtige Bemerkungen dazu.

 

Die Frage nach der Überzeugungskraft stellt sich auch bei dem zweiten roten Faden des Buches; der Frage: Sollte Prostitution legalisiert oder entkriminalisiert werden? Auch dieses Thema wird in Dialogen meisterhaft – und zitierfähig – durchgearbeitet. Dennoch stößt Chester dabei an eine literarische Grenze und stellt seinem Comic einen Essay über 50 Seiten mit Grundüberlegungen und Thesen zur Prostitution bei. Chesters Position ist klar: Eine Legalisierung würde zwar einer rechtlichen und staatlichen Logik folgen, bedeutete aber auch eine entliberalisierte Reglementierung. Eine entkriminalisierte Prostitution könnte hingegen ein Schritt hin zu einer selbstbestimmten und „normalen“ Form von Umgang mit Sexualität bedeuten.

 

Was Chester ausführlich darstellt, leuchtet dem kommentierenden Freund jedoch wiederum gar nicht ein. Gleichwohl er in Chesters Position die „Stimme der Vernunft“ vernimmt, empfindet er Chester doch als festgefahren und „libertinär dogmatisch“.

 

„Ich bezahle für Sex“ fasst viele Gesichtspunkte zusammen, die zum Thema „für und wider Prostitution“ unbedingt dazugehören. Aufklärend ist es allemal. Ob es überzeugende Kraft hat, ist – wie immer bei diesem Thema – fraglich. Es scheint eher selbstvergewissendere Effekte zu haben. Wie lesen Sexdienstleisterinnen und Freier, die „professionell“ in dieser Sache zuhause sind, das Buch? Sie werden die Bekenntnisse Chester Browns mit ihrem kulturellen Zukunftsoptimismus möglicherweise schon wieder für etwas antiquiert halten oder zumindest darüber nachdenken, ob Chester nicht doch eine ziemlich rosa getönte Brille trägt. Das Klima im Paysex verändert sich. Verdrängungskämpfe haben ihre Auswirkungen. Umgangsformen scheinen rauer zu werden. Wohin alles führt, ist offen. Ein Teil derjenigen, die bislang entschieden für Liberalisierung eingetreten sind, denken neu über notwendige Reglementierungen nach. In diese aktuellen Diskussionen konnte sich Chester Brown nicht mehr einklinken.

 

Trotzdem: Das Buch bietet ästhetischen und literarischen Genuss. Es ist lustvoll, spannend, reflektiert und klug. Und eigenwillig. Klasse!

 

lust4fun

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