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  • 2 months later...

Chantal Louis

Prostitution abschaffen!

In: Cicero vom 8.3.13

 

************

 

Im Cicero-Dossier zur Prostitution hat noch die Emma-Position gefehlt. Chantal Louis erhielt jetzt die Gelegenheit, die abolitionistische These zusammenzufassen – und bemerkt dabei keines der immanenten Probleme:

 

Der Ruf nach einem Verbot der Prostitution – aus der sendungsbewussten Haltung heraus, Schutzlose zu schützen – berührt Freiheitsrechte von Menschen, die sich in dieser Darstellung überhaupt nicht wiederfinden können, weder als Bucher noch als Anbieter.

 

Ich bin ein Mann und bezahle für Sex. Dies ist ein Teil und eine Form meines freien, selbstbestimmten, lust- und liebevollen Lebens. Die Frauen, mit denen ich zusammen bin, verkaufen mir nicht ihre Seele und ich bemächtige mich nicht deren Seele. Das, was wir tun, ist für uns ok und ein Stück Lebensqualität. Wir sehen uns dabei in die Augen – freundlich, achtsam, zugewandt, sinnlich und reflektiert.

Louis könnte ähnliche Beschreibungen mit Leichtigkeit in Blogs und Foren finden, wenn sie da nicht ihren blinden Fleck hätte. Ihre Darstellung kann man als Verleumdung auffassen.

 

Der Gehalt an recherchierten Fakten zum Feld der Prostitution ist nahe Null. Einige belastbare Informationen würde man z. B. aus der Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der Grünen zu den „Auswirkungen des Prostitutionsgesetzes auf die Entwicklung beim Menschenhandel“ erhalten. Chantal Louis ist Journalistin, verzichtet aber auf eine entsprechende Recherche.

 

Ein Gespräch kommt so nicht zustande. Wer derart Position bezieht, sollte zeigen, dass sie/er Grundzüge eines vorhandenen Dialogs kennt. Es gibt in Deutschland Runde Tische zum Thema Prostitution, z. B. in Nordrhein-Westfalen. Die Sichtweisen der Betroffenen-Organisationen wie z. B. „Dona Carmen“ oder die gerade in der Entstehung begriffene „Sexworker-Organisation Deutschland“ fallen ganz unter den Tisch – als gäbe sie es überhaupt nicht.

 

Innerhalb eines solchen Dialogs wäre der Ort, über gesellschaftliche Entwicklungen, über Missstände und Regelungsbedarf zu reden und zu streiten.

 

Louis ist außer Journalistin auch noch Politologin. Ist es zu viel verlangt, wenn man erwartet, dass eine solche Autorin erkennen lässt, dass sie die wesentlichen politologischen Diskurslinien wenigstens kennt? Der Vergleich zwischen schwedischem und deutschem Modell im Umgang mit Prostitution hat bedeutsame ideologiegeschichtliche Bedingungen. Die Modelle lassen sich nicht einfach übertragen. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat eben erst (APuZ 9/2013) ein Dossier dazu herausgegeben, das einiges sehr hilfreich erklärt.

 

Der Cicero-Artikel wirft uns Buchern und Sexworkern Ignoranz vor, die er selbst nur umgekehrt zeigt.

  • Thanks 5
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Alice Schwarzer,

20.12.12

alice.schwarzer@emma.de

Netter Versuch. Hat sie geantwortet? Sicher nicht. Weils einfach total an ihren Interessen vorbeigeht. Du setzt voraus, dass ihr Interesse ist, moralisch "richtig" zu handeln. Ist es aber nicht. Sie will die Prostitution als Institution in der Sex für Männer einfach zu bekommen ist abschaffen. Alles drumrum, Menschenhandel, Ausbeutung, .... ist nicht das worum es ihr geht, dessen Thematisierung ist für sie nur Mittel zum Zweck. Darum wirst Du auch auf der Ebene keine Diskussion mit ihr erreichen. Es ist ihr völlig egal, ob das auf Augenhöhe stattfindet oder nicht. Sie muss das ausblenden, weil die Anerkennung dass sexuelle Dienstleistung auf Augenhöhe möglich ist ihre Position und ihr Ziel gefährden würde.

 

Ich denke der Versuch, MIT der Sorte "Alice Schwarzer" auf eine sachliche Ebene der Diskussion zu kommen ist zum Scheitern verurteilt. Was nötig wäre ist, eine fundierte Gegenposition in die Öffentlichkeit zu tragen, nicht als Diskussion, einfach als Gegenpol, damit Frau Schwarzer nicht die Meinungshoheit zum Thema behält. Leider bedingt das, dass sich glaubhafte Personen mit entsprechenden Fähigkeiten öffentlich bekennen. Und daran scheitert das, wie wir alle wissen. P6 hat keine Lobby und diskretionsbedingt auch keine Fürsprecher, bzw. nur solche, die selbstverständlich nicht selbst betroffen sind.

Edited by Anubis
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Netter Versuch...

 

Du stellst mich als ziemlich naiv dar?

Weil ich mit einem demokratisch potentiell möglichen Gespräch argumentiere?

Natürlich hat Schwarzer nicht geantwortet, und Louis wird es auch nicht tun. Ich tue trotzdem so, als wäre das mein Wunsch, beschreibe aber gleichzeitig, warum dieses Gespräch nicht stattfindet. „Gespräch“ im philosophisch-gesellschaftlichen Sinne natürlich, nicht privat mit „lust4fun“. Ich baue da (ohne Größenwahn) auf einen gewissen paradoxen Effekt. Da will einer reden und erklärt, dass es (leider) nicht funktioniert... „Strategisch“ versuche ich, meine Adressaten an ihrem demokratischen Stolz zu packen. Jeder will gehört werden, wünscht sich Zustimmung – auch wenn dies nur ein sehr einseitiges „Gespräch“ wäre. Und ja, ich bin überzeugt, auch Emma will überzeugen, reden und verändern, nicht nur bloße Macht. Abolitionismus ist eine ethische Ideologie, nicht nur ein Machtinstrument. Jedes „Mittel zum Zweck“ hat einen motivationalen Hintergrund.

 

Meine Idee ist es, sich gelegentlich genau in die Kommentarszenen einzumischen, wo sich engagierte Leser tummeln. Da gibt es diejenigen, die sich zustimmend im eigenen Stallgeruch suhlen: Endlich jemand, der sich traut die „Wahrheit“ zu sagen, die doch jedermann klar sein müsste. Denen möchte ich gern zeigen, dass es eine andere Seite der Medaille gibt, die sie nicht einmal denken können. Damit so etwas überhaupt über den ersten Satz hinaus gelesen wird, braucht es – glaube ich – einen persönlichen Bekenntnissatz: „Ich bezahle für Sex.“

 

Aber ich möchte auf der anderen Seite auch denjenigen etwas entgegenstellen, die lediglich mit bloßer Gegenpolemik antworten. Wenigstens andeuten, dass es Quellen gibt, die sachlich fundiert sind und andere Sichtweisen ermöglichen. Nicht nur das Bellen getroffener Hunde.

 

Der Prägnanz wegen zitiere ich Marc of Frankfurt:

„Mit dem Hinweis auf Rotlichkriminalität/Menschenhandel, lassen sich alle Reform-Empfehlungen des runden Tisch aushebeln ...

- Es muß uns gelingen aufzuzeigen wie Kriminalisierung funktioniert und instrumentalisiert wird (Schauprozesse (Flat-Rate Pussy Club, Rethel Clubs), Tabu & Sündenbock Prostitution, Razzienpolitik, rechtl. Grauzone und Marginalisierung...).

- Es muß uns gelingen die Unterschiede zwischen Sexarbeit und Menschenhandel immer wieder erneut klar herauszustellen und eine sachlich, faire, auf Fakten basierte Diskussion einzufordern, wenn über die Grenzbereiche von Ausbeutung und Kriminalität in der Prostitution verhandelt wird.“

Der ganz andere Weg ist die kreative, künstlerische, paradoxe oder wie auch immer Intervention, die sich ihre Argumentationsebene nicht vom Gegenüber vorschreiben lässt und sich nicht um die Diskussion schert, sondern sich ihrer Wirkung bewusst ist. Ein Beispiel ist das Bild in Marcs Beitrag. Die publizistischen Meister dieses Faches sind dieser Marc und Ariane. Aber es sind nicht von ungefähr gleichzeitig diese beiden, die die volle Klaviatur von Diskurs bis Polemik beherrschen. Ich liebe diesen Ansatz.

 

Ich habe auch lange darüber lamentiert, dass wir P6-Kunden „diskretionsbedingt“ öffentlich unsichtbar bleiben müssen. Ich fragte oft, wie wir mit unseren „Partnerinnen“ im P6 solidarisch auftreten können. Her mit kreativen Ideen!

 

Bis dahin dann eben nur „nette Versuche“, möglichst authentisch, bewusst der eigenen Interessen, unaufgeregt, sachlich, weiterführend, solidarisch, die Probleme nicht ausklammernd...

 

Wir kämpfen nicht nur gegen ideologische Publizisten. Wir müssen sichtbar werden auf dem demokratischen Feld der Gesetzgebung, die nicht von Emma allein bestimmt wird.

  • Thanks 5
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Es müssten bei einer Anti-Stigma Kampagne alle Beteiligten mitmachen (mit Balken oder ohne, mit Künstlername oder bürgerlicher Identität), ausser Kriminelle natürlich. Es müssten also ein paar Kundenmänner, also Dreibeiner nach vorne kommen und sich mindestens wie Karl Lagerfeld souverän outen.

 

Wir müssen gemeinsam gegen Tatort-Drehbuchschreiber, geisteskranke Priester, Radikale sprich die Medien argumentieren, die sich im Darkroom von einem minderjährigen Stricher mit einem Strap-On penetrieren lassen, ohne über Los zu gehen.

 

Bin leider so müde und kann nichts sinnvolles zusammenhängend schreiben.:blume2:

 

Muss los und noch ein paar Kolleginnen vom Strassenstrich und Frauen, die Opfer von Zwang und Ausbeutung geworden sind, kontaktieren und fragen, was sie sich wünschen.

 

Tschööö

 

ps: warum sollen sich nur ein paar Frauen, die sich mit ihrem Outing in vielerlei Hinsicht schaden können, in den Wind stellen? Bitte schön.

Edited by Ariane
  • Thanks 4
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Ich heiße lust4fun, nicht Karl Lagerfeld.

Outing bis auf Weiteres deshalb nur anonym. Ein solches Pseudo-Outing ist nur dann nicht lächerlich, wenn es außer der Authentizität wenigstens den Anflug von einem Modell eines selbstbestimmten, reflektierten, lust- und liebevollen Lebens erahnen lässt. Wenn man die Person schon nicht kennt, muss wenigstens die Ahnung einer ernstzunehmenden Persönlichkeit dahinter damit verbunden sein. Das ist, was mich beschäftigt.

  • Thanks 3
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Gar nicht böse gemeint und nur meine persönliche Meinung.

 

Anonymer Vortrag von Kunden in einer wie auch immer gestalteten Öffentlichkeit macht m.E. keinen wirklichen Sinn. Wie viele denken daraufhin, vor allem wenn es auch noch intellektuell hochtrabend untermauert ist: "Papperlapapp, viel Geschwätz, der will im Kern doch nur weiterhin ohne Hürden, billig und beliebig Frauen poppen". Die harmloseste Variante. Weniger harmlos: "Siehe da, wie gebildet Zuhälter mittlerweile schwätzen können".

 

M.E. kann nur seitens der AnbieterInnen etwas bewegt werden. Dazu müßten diese aber mal aufhören, sich gegenseitig an den Karren zu fahren und Befindlichkeiten zu pflegen. Und stattdessen über alle Bereiche des P6 hinweg "konzertierte Aktionen" anschieben. Mit Kompromissbereitschaft Einzelner, deren Partikularinteressen nicht zu 100%, oder gar nur zu 60% :oha::clown: gewahrt werden. Also akzeptieren, wenn nicht alle eigenen Positionen in der "Bewegung" angenommen werden, solange wenigstens einige wichtige eigene Positionen Berücksichtigung finden.

 

Als Kunde wäre man eigentlich tollkühn, sich real-namentlich in einen Diskurs zu stürzen, wo man(n) dann auch noch "friendly fire" von der eigenen Seite befürchten muss, weil man sich nie "kompliant" mit allen maßgeblichen ProtagonistInnen wird äußern können (jetzt mal abgesehen von schmissigen Parolen, welche keinerlei realistischen Lösungsansatz enthalten). Mitunter reichen ja schon Kleinigkeiten aus, um prompt einen "reingewürgt" zu bekommen.

 

Kunden können m.E. am Besten im Hintergrund unterstützend agieren, damit meine ich weniger finanziell, als mit besonderen beruflichen Kompetenzen, welche unter den AnbieterInnen eher selten zu finden sind. Und ggf. mit der Vermittlung von wichtigen Kontakten. Wenn und sobald realpolitische Positionen mit breiter Basis und nicht lediglich Fundamentalkritik erarbeitet wurden.

Edited by nolensvolens
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M.E. kann nur seitens der AnbieterInnen etwas bewegt werden.

Finde ich nicht. Kunden gehören mit ins Bild und authentische, souveräne öffentliche Auftritte von Kunden - gemeinsam mit SDL - würden der Sache sehr helfen. Das dürften auch nicht irgendwelche Kunden sein, sondern welche die auch entsprechende Wirkung entfalten.

 

Die einzigen Kunden, von denen ich weiss dass sie zu sowas bereit wären würden mit ihren Auftritten der Sache leider eher schaden als nutzen :(

 

Dass sich so jemand kaum findet liegt natürlich auf der Hand. Da kann man viel träumen, in der Realität bleibt eben nur die anonyme Meinungsäusserung, und die bringt leider gar nichts.

  • Thanks 2
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Dazu ist aber m.E. die Zeit noch nicht reif. Weil die Frauen selbst noch nicht eine einigermaßen einheitliche Linie ohne interne Ausgrenzungen hinbekommen. Ich hoffe und bin sogar einigermaßen zuversichtlich, dass die Veranstaltung im April da zu einem Paradigmenwechsel führt.

 

Kein Mann in Deinem Sinne wird sich dafür hergeben, wenn die Frauen selbst noch nicht einmal eine einheitliche Linie und eigene konkrete Vorstellungen (und nicht nur ein "nein zu") entwickelt haben.

 

Rein sytematisch und nüchtern betrachtet, unabhängig davon, warum sollen sich Kunden, also Menschen, welche für eine Dienstleistung bezahlen, sich für Rechte der Dienstleister aus dem Fenster hängen? Die Dienstleister sind in der Lage ihre Dienstleistung zu erbringen, was im Escort vermutlich noch komplexer als in anderen Bereichen ist. Dann sind sie ebenso in der Lage, selbstbestimmt und ohne besserwisserische Männer ihre eigenen Rechte zu vertreten und zu erkämpfen. Vom Systematischen her, es wird auch eher wenige Friseurkundinnen geben, welche schon einmal gegen die Niedriglöhne in diesem Bereich Arm in Arm mit Friseurinnen demonstriert haben, oder?

 

Was bei mir nichts daran ändert, dass ich Einige aufgrund persönlicher Bekanntschaft (und Sex-unabhängig!) sehr wertschätze und es mich maßlos ärgert, wenn jemand auf deren Tätigkeit mit Respektlosigkeit, gar Diskriminierung, reagiert. Die sind aber alle durchaus in der Lage, sich selbst zu artikulieren .... :cool: Und wenn meine Meinung oder Rat gefragt ist, immer gerne. Aber eher nicht ungefragt.

Edited by nolensvolens
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Es ist doch nicht von vornherein etwas Schlimmes daran, Interessen zu haben. Klar, ich bin für einen toleranten Umgang mit Prostitution, weil ich Toleranz gut finde und gerne Feministinnen ärgere. Aber beides sind, genau besehen, ziemlich egoistische Motive, nicht weniger als mein Interesse, weiterhin ohne Hürden und billig poppen zu können, wenn mir danach ist. Wer fürchtet, aus der Benennung seiner Interessen könne ihm ein Strick gedreht werden, hat sowieso schon verloren und hält tatsächlich besser den Mund.

 

Nur wer zu seinen Interessen steht, kann unbesorgt die Interessen der Gegenseite aufdecken. Die sind natürlich ebensowenig edelmütig, aber ebenfalls nicht schon deshalb völlig illegitim. Es ist doch wahr, was Frau Louis schreibt: Die Toleranz gegenüber der Prostitution habe zu einer Situation geführt, in der die Begegnung zwischen Mann und Frau unter der unausgesprochenen Drohung stehe: "Wenn du nervst, gehe ich in den Puff!"

 

Daß damit schon die "Gleichberechtigung" in Gefahr sei, ist zwar ideologischer Schmonzes. Richtig bleibt aber, daß ein Mann, der in den Puff ausweichen kann, nicht ganz so blöd dasteht wie einer, der der Drohung "Wenn du nicht spurst, gibt's keinen Sex!" nichts entgegenzusetzen hat. Frauen haben nun mal ein Interesse daran, für ihren Partner (oder ihre potentiellen Partner) möglichst alternativlos zu sein, und Männer haben das gegenteilige Interesse.

 

Die Politisierung des Geschlechterverhältnisses bedeutet, daß die betreffenden Machtspielchen nicht mehr auf privater Ebene ausgetragen werden. Die feministischen Bestrebungen seit Beginn der 70er Jahre sind im wesentlichen darauf aus, das Angebot für heterosexuelle Männer zu verknappen (wenn auch keineswegs durchgängig im Interesse der heterosexuellen Frauen). Dazu paßt Akzeptanz von Prostitution wie die Faust aufs Auge.

 

Ins Politische gewendet, besagt die erfreulich ehrliche Konklusion von Frau Louis nichts anderes als: "Prostitution untergräbt das feministische Machtprojekt." Sie läßt es ins Leere laufen. Wer die Debatte politisch führen will, muß nach der Legitimität dieses Projektes fragen. Das geht ganz gut, ohne sich als Bucher zu outen. Außerdem wird, wer den Zusammenhang begriffen hat, keine Mühe haben, Bündnispartner zu finden, auch und sogar gerade unter intelligenten Frauen.

Edited by Bloßeinbesucher
Komma
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Rein sytematisch und nüchtern betrachtet, unabhängig davon, warum sollen sich Kunden, also Menschen, welche für eine Dienstleistung bezahlen, sich für Rechte der Dienstleister aus dem Fenster hängen? Die Dienstleister sind in der Lage ihre Dienstleistung zu erbringen, was im Escort vermutlich noch komplexer als in anderen Bereichen ist. Dann sind sie ebenso in der Lage, selbstbestimmt und ohne besserwisserische Männer ihre eigenen Rechte zu vertreten und zu erkämpfen. Vom Systematischen her, es wird auch eher wenige Friseurkundinnen geben, welche schon einmal gegen die Niedriglöhne in diesem Bereich Arm in Arm mit Friseurinnen demonstriert haben, oder?

Es geht ja auch nicht um die Höhe der Entlohnung. Wenn aber die Dienstleistung der Friseurinnen von einem Verbot bedroht wird, dann machts vielleicht auf einmal doch Sinn, Arm in Arm mit den Friseurinnen dagegen zu demonstrieren? Schliesslich hast Du ja ein persönliches Interesse daran, dass es diese Dienstleistung gibt - sofern Du keine Glatze hast...

 

Und m.E. reden wir hier in letzter Konsequenz über nichts anderes als ein Verbot der Prostitution. Das ist das Ziel all dieser Bestrebungen.

  • Thanks 3
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Es ist doch nicht von vornherein etwas Schlimmes daran, Interessen zu haben. Klar, ich bin für einen toleranten Umgang mit Prostitution, weil ich Toleranz gut finde und gerne Feministinnen ärgere. Aber beides sind, genau besehen, ziemlich egoistische Motive, nicht weniger als mein Interesse, weiterhin ohne Hürden und billig poppen zu können, wenn mir danach ist. Wer fürchtet, aus der Benennung seiner Interessen könne ihm ein Strick gedreht werden, hat sowieso schon verloren und hält tatsächlich besser den Mund.

 

Nur wer zu seinen Interessen steht, kann unbesorgt die Interessen der Gegenseite aufdecken. Die sind natürlich ebensowenig edelmütig, aber ebenfalls nicht schon deshalb völlig illegitim. Es ist doch wahr, was Frau Louis schreibt: Die Toleranz gegenüber der Prostitution habe zu einer Situation geführt, in der die Begegnung zwischen Mann und Frau unter der unausgesprochenen Drohung stehe: "Wenn du nervst, gehe ich in den Puff!"

 

Daß damit schon die "Gleichberechtigung" in Gefahr sei, ist zwar ideologischer Schmonzes. Richtig bleibt aber, daß ein Mann, der in den Puff ausweichen kann, nicht ganz so blöd dasteht wie einer, der der Drohung "Wenn du nicht spurst, gibt's keinen Sex!" nichts entgegenzusetzen hat. Frauen haben nun mal ein Interesse daran, für ihren Partner (oder ihre potentiellen Partner) möglichst alternativlos zu sein, und Männer haben das gegenteilige Interesse.

 

Die Politisierung des Geschlechterverhältnisses bedeutet, daß die betreffenden Machtspielchen nicht mehr auf privater Ebene ausgetragen werden. Die feministischen Bestrebungen seit Beginn der 70er Jahre sind im wesentlichen darauf aus, das Angebot für heterosexuelle Männer zu verknappen (wenn auch keineswegs durchgängig im Interesse der heterosexuellen Frauen). Dazu paßt Akzeptanz von Prostitution wie die Faust aufs Auge.

 

Ins Politische gewendet, besagt die erfreulich ehrliche Konklusion von Frau Louis nichts anderes als: "Prostitution untergräbt das feministische Machtprojekt." Sie läßt es ins Leere laufen. Wer die Debatte politisch führen will, muß nach der Legitimität dieses Projektes fragen. Das geht ganz gut, ohne sich als Bucher zu outen. Außerdem wird, wer den Zusammenhang begriffen hat, keine Mühe haben, Bündnispartner zu finden, auch und sogar gerade unter intelligenten Frauen.

 

Teilweise Zustimmung, aber mit folgenden Ergänzungen.

 

Wenn ein Mann mit der "Spuren oder kein Sex" Situation konfrontiert wird, sollte er m.E. die Konsequenz ergreifen und diese Beziehung beenden, fertig schluss. Es sei denn er wäre wirklich so potthäßlich, strohdoof und ein Kotzbrocken, dass er absolut keine Chancen auf eine andere Partnerin hätte, was aber eine sehr sehr kleine Gruppe darstellen dürfte. Für die Mehrzahl solcher Situationen spielt die Frage der "Alternative" der Prostitution also m.E. keine Rolle. Wer sich diesem Machtspiel fügt und dann (meist heimlich) des P6 bedient hat sich (beziehungstechnisch) praktisch selbst entmannt. Und in dieses Machtgefüge ergeben. Umgekehrt gilt Analoges. Wenn der Mann sinngemäß sagt "solange Du die Füße unter meinen Tisch stellst, hast Du mir Sex zu geben". Auch ein absolutes Abbruchkriterium. Verhungern tut bei uns niemand, weder der ggf. unterhaltspflichtige Mann, noch die der Arbeitwelt möglicherweise entzogene Frau. Wer aus rein materiellen Gründen an einer kaputten Beziehung festhält, ist m.E. ein "armes Würstchen". "Alternativlos" gibts auch hier nicht.

 

Insofern hat dieser Themenkreis an sich nichts mit Prostitution zu tun, sondern mit der Emanzipation und Selbstbestimmung beider Geschlechter. Und taugt folglich auch nicht das für und wider P6 zu ergründen.

 

Was jetzt nichts daran ändert, dass manche "bürgerliche" Frau so denken mag, wie Du es meinst. Nur einer unseligen Pseudologik sollte man nicht eine ebensolche entgegen setzen, das gibt merkwürdige Diskurse :lach:

Edited by nolensvolens
*nudelholz* allen AmöbentätowiererInnen *lach*
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Eine Beziehung, in der die Partner einander mit Drohungen unter Druck setzen, ist am Ende, und auf eine Beziehung, die mit Aussagen des Typs "Wenn du nicht spurst, gibt's keinen Sex" oder "Wenn du nervst, gehe ich in den Puff" angebahnt wird, sollte man sich gar nicht erst einlassen. Richtig. Privat ist das Gechlechterverhältnis etwas Privates und eben nichts Politisches. Jeder ist auf die Kooperation des anderen angewiesen, und gerade der Stärkere ist klug beraten, der anderen Seite genügend Luft zum Atmen zu lassen und die Machtfrage zu übergehen.

 

Die Politisierung des Geschlechterverhältnisses bringt jedoch mit sich, daß solche Rücksichten entfallen. Die Machtfrage stellt sich per Definition. Frau Louis spricht sie im Zusammenhang mit der Prostitution lediglich offen aus. Das Blöde an Machtfragen ist, daß man sie nicht einfach ignorieren kann, wenn sie einmal im Raum stehen. Im vorliegenden Fall ist selbst der Hinweis, daß beide Geschlechter besser damit fahren, ihr Verhältnis nicht politisch zu regeln, eine politische Aussage, ganz einfach deshalb, weil sie feministischerseits so verstanden wird und der Feminismus bedauerlicherweise ein entscheidendes Wörtchen mitzureden hat, wenn es um die Bestimmung dessen geht, was das Geschlechterverhältnis ausmacht. Wer das übersieht, macht denselben Fehler wie jemand, der an einer Beziehung festhält, obwohl der Partner ihn unter Druck zu setzen versucht.

  • Thanks 3
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Kunden können m.E. am Besten im Hintergrund unterstützend agieren, damit meine ich weniger finanziell, als mit besonderen beruflichen Kompetenzen, welche unter den AnbieterInnen eher selten zu finden sind. Und ggf. mit der Vermittlung von wichtigen Kontakten. Wenn und sobald realpolitische Positionen mit breiter Basis und nicht lediglich Fundamentalkritik erarbeitet wurden.

 

Das ist wieder mal eines der Vorurteile, die es eigentlich auszumärzen gilt. Gerade im Bereich der Prostitution gibt es viele Frauen mit hoher beruflicher (bürgerlich) Kompetenz. Das Problem ist dass die Anbieterinnen und Anbieter unter hohem Konkurrenzdruck untereinander stehen und ein grosser Teil, speziell in den Häusern und auf der Strasse nicht kommunizieren können (Sprachbarrieren , technische Infrastruktur etc.)

 

Die Bestrebungen der finanziell gut gepolsterten pseudofeministischen Bewegung mit Scharzer, Femen & Co. sind klar auf Prostitutionsverbot und Ächtung ausgerichtet und das hat auch noch weiterreichende Folgen unabhängig von der Prostitution. Wenn das so weitergeht brauchen bald die Männer Unterstützung vernünftiger Frauen um sich wieder zu emanzipieren.

 

Dass andere Meinungen auch sichtbar werden müssen, egal ob man oder Frau, und auch Wirkung zeigen war gut am Beispiel Köln (Gottesdienst für Sexworker) zu sehen. Eine online Petition mit 6000 Unterschriften, teils anonym teils offen hat in letzter Minute dazu geführt dass die Veranstaltung stattfinden konnte. Auch hier wollte man über die Hintertür (Baurecht, Konzession etc.) verbieten.

 

In Schweden haben die Männer geschlafen, jetzt werden sie bestraft, wenn sie die Dienste einer Prostituierten in Anspruch nehmen.

 

Sichtbar sein heisst auch in der Höhle der Löwin zu protestieren und somit auch für Prostitutionsgegener sichtbar zu sein und zu zeigen, dass es auch andere Meinungen gibt.

 

z.B.: =6&cHash=8939bb7a51"]Gästebuch Schwarzer

 

Auch die kleine gerade aufblühende Bewegung mit Hoffnung auf mehr braucht Geld, Zuspruch und massiv Hilfe von aussen.

http://www.sexwork-deutschland.de

Edited by alfder
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